VON KURT-EMIL MERKI

Regisseurin Bettina Oberli ist tief berührt von Stephanie Glasers Tod. Sie sagt: «Wir waren eng befreundet.» Die Freundschaft entstand bei den Dreharbeiten zu «Die Herbstzeitlosen». Und vor allem danach, als die beiden Frauen für den Film auf Werbetour gingen. «Da waren wir oft und lange zusammen.» Oberli hatte Glaser die Rolle der Martha Jost anvertraut und die beinahe Vergessene damit der grossen Öffentlichkeit zurückgegeben.

Bettina Oberlis Sohn ist der Göttibub von Stephanie Glaser.
Für Oberli gibt es keinen Zweifel: «Stephanie Glaser war eine sehr gute Schauspielerin.» Mathias Gnädinger ist gleicher Meinung. Er lernte sie 1989 bei den Dreharbeiten zu «Leo Sonnyboy» kennen. Er sagt: «Sie war eine ganz, ganz tolle Schauspielerin.» 2008 spielte er zum letzten Mal mit ihr zusammen. Im TV-Film «Hunkeler und der Fall Livius.»

Gnädinger: «Stephanie musste eine 120-jährige Frau spielen. Sie wehrte sich zuerst gegen die Rolle. Wegen des Alters der Dame. Schliesslich sagte sie doch zu – und war ganz wunderbar.» Rolf Lyssy ist der Regisseur von «Leo Sonnyboy». Er sagt: «Stephanie war eine hochprofessionelle Berufsfrau. Sie hatte Klasse und Qualität bis ins hohe Alter.» Sie sei absolut textsicher gewesen und äusserst umgänglich. «Für mich war sie neben Anne-Marie Blanc ‹the grand old lady› des Schweizer Films.»

Peter Christian Fueter ist der Sohn von Anne-Marie Blanc. Und er war der Produzent des Films «Klassezämekunft» (1988). Stephanie Glaser spielte darin Lisbeth Schneider. Fueter: «Sie war eine wahnsinnig talentierte Komödiantin. Man merkte, dass sie durch die harte Schule des Kabaretts gegangen war.» Glaser habe zu den wenigen Schauspielerinnen gehört, die zu seiner Mutter «einen guten Draht» hatten. «Bei ihr gab es keinerlei Neid gegenüber Anne-Marie Blanc.»

Für Bettina Oberli ist klar, weshalb ihre Freundin beim Publikum so beliebt war: «Sie war sehr intelligent im Umgang mit ihrer Popularität. Sie genoss den Erfolg, war aber nie überheblich. Ihre Freundlichkeit war nie aufgesetzt, ihre Zuneigung nie gespielt.» «Gnädinger weiss ein Müsterli: «Wir haben einmal am Zürcher Paradeplatz Rosen für einen guten Zweck verkauft. Es hat in Strömen geregnet. Ich wollte bald einmal aufgeben. Sie aber hielt tapfer durch. Und so musste auch ich wohl oder übel ausharren.»

Peter Christian Fueter schätzte an Glaser «die unglaubliche Spontanität». «Sie hat geredet, wie ihr der Schnabel gewachsen war. Bei ihr gabs kein hintenherum – das ist absolut aussergewöhnlich in der Schauspielbranche.»

Rolf Lyssy wollte 2009 nochmals einen grossen Film mit ihr machen. Er heiss «Die letzte Pointe» und handelte von einer selbstbewussten Frau, die ihrer Lebtag sagte, wo es lang geht und die auch den Zeitpunkt ihres Ablebens selber bestimmen wollte. Lyssy: «Das war eine Paraderolle für Stephanie. Sie freute sich sehr auf die Dreharbeiten. Leider lehnte die Filmförderung das Drehbuch zweimal ab.»

Mathias Gnädinger hatte Pläne für den kommenden März: «Vor einem Jahr haben wir Stephanies 90. Geburtstag gefeiert. Und sie hat zugesagt, in ein paar Wochen meinen 70. zu begiessen. Jetzt bleibt ihr Platz halt leer. Aber der Platz in meinem Herz ist ihr sicher. Auf immer.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!