Erstmals wird offen Kritik aus den Reihen der Zürcher Professoren laut. «Bei einem Geschenk wie dem der UBS liegt die Vermutung nahe, dass dort investiert wird, wo man am wenigsten kritische Forschung erwartet», sagt der Soziologie-Professor Kurt Imhof. Das Investment der UBS sei antizyklisch. «Gefördert wird das Fach, das am meisten in der Krise ist», moniert der schillernde Dozent. Es sei zu hoffen, dass sich die Ökonomik von ihren zu engen Begriffen löse.

Die Grossbank will rund 100 Millionen Franken in den Ausbau der Forschung in den Wirtschaftswissenschaften stecken und fünf Lehrstühle am Institut für Volkswirtschaftslehre finanzieren. Imhof warnt: «Eine erneute Hegemonie dieser Wissenschaft auf der Basis ihrer vergangenen Einfalt würde uns nicht gut bekommen.»

Hans Geiger, emeritierter Wirtschaftsprofessor am Institut für Banking und Finance der Universität Zürich, sieht im Millionen-Geschenk der UBS eine neue Dimension des Sponsorings: «Neu ist, dass der Sponsor so klar in Erscheinung tritt», sagt Geiger. Für die UBS sei das ein grosser Nutzen. «Sie versucht eine Imagekorrektur, will nicht mehr mit Steuerhinterziehung, sondern mit Forschung in Verbindung gebracht werden.»

Auch vonseiten der Studenten tönt es kritisch. «Das ist ein absoluter Skandal», sagt Geschichtsstudent Fabian Molina. Er ist Co-Präsident der Juso Kanton Zürich und Mitglied der Protestbewegung «Unsere Uni Zürich». Er sagt: «Bildung ist keine Ware, die man kaufen kann.»

In den nächsten Wochen wollen sich die Studenten organisieren. «Entweder protestieren wir auf der Strasse oder wir gehen auf politischer Ebene gegen die Spende vor», sagt Molina. Ein Vorstoss im Kantonsrat sei eine Möglichkeit. Ziel ist es, die Spende rückgängig zu machen. Nur so bleibe die Forschung unabhängig.

Der Verein «Kritische Politik an der Uni Zürich» (kripo) will ebenfalls Druck auf die Universitätsleitung machen. «Solche projektbezogene Spenden haben in den letzten Jahren überhandgenommen», sagt Fabian Würtz, Vorstandsmitglied der kripo. Sie wollen nun auf diesen «Missstand» hinweisen – eine Petition oder Veranstaltungen zum Thema sind angedacht.

Für den Präsidenten des Studentenrats, Martin Roeck, sollten Spenden in das Gesamtbudget der Uni fliessen und nicht an einzelne Institute. Gerade der Bereich der Volkswirtschaft, in den die UBS nun investiert, sei ohnehin genügend gut finanziert. «Zudem besteht die Gefahr, dass die Universität immer stärker zur Werbefläche verkommt.»

Beantworten Sie dazu die Sonntagsfrage.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!