STAPI-LÖHNE INS VISIER GENOMMEN

Mit einem Jahressalär von 296 751 Franken ist der Basler Guy Morin der bestverdienende Stadtpräsident der Deutschschweiz. Ein Stapi im Bündnerland hat sich den Lohn nun gleich selber gesenkt.

VON NICOLE KRÄTTLI

«Ich erhalte eine gute Entlöhnung, das stimmt. Verglichen mit der Privatwirtschaft fallen die Saläre in öffentlichen Ämtern allerdings eher bescheiden aus», rechtfertigt der Basler Stadt- und Regierungspräsident Guy Morin sein Salär. Mit 296 751 Franken brutto pro Jahr verdient der Allgemeinmediziner gemäss einem Einkommensvergleich von 30 Schweizer Stadtpräsidenten am meisten.

Doch er übe dieses Amt nicht wegen des Gehalts aus, sagt der Grüne: «Es ist eine ehrenvolle und dankbare Aufgabe, bei der ich sehr viel Wertschätzung erfahre.» Bei einer Sechstagewoche mit rund 70 Arbeitsstunden würde er in der Wirtschaft mehr verdienen, ist er überzeugt.

Dieses Salär ist vor allem Alfred Heer, dem Präsidenten des Bunds der Steuerzahler (BDS), ein Dorn im Auge. Die Vereinigung hat bereits erfolgreich Lohnobergrenzen in Zürich, Bern und Zug durchgesetzt. So lässt sich auch erklären, weshalb die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) lediglich Platz neun der Einkommens-Statistik belegt und somit rund 54 000 Franken weniger verdient als ihr Basler Pendant – obwohl die Limmatstadt fast doppelt so viele Einwohner zählt.

Erstaunlich ist, dass selbst Kleinstädte ihrem Oberhaupt mehr Lohn gönnen als Zürich. So verdient Stephan Attiger (FDP), Ammann der 18 000-Einwohner-Stadt Baden, 245 000 Franken. Auch der Stapi von Frauenfeld (23 000 Einwohner) toppt die Zürcher Stadtpräsidentin.

Selbst in Gemeinden mit rund 10 000 Einwohnern kann man es auf mehr als 200 000 Franken bringen. Der Zofinger Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger erhält jährlich 203 925 Franken. Ein Zofinger Bürger zahlt durchschnittlich 18.79 Franken für seinen Stapi, ein Zürcher jedoch nur 63 Rappen. Also 30-mal weniger.

«Wo es keine Salärlimiten gibt, entwickelt sich die Lohnbuchhaltung zu einem Selbstbedienungsbuffet», ist sich BDS-Präsident Heer sicher. Es sei zwar logisch, dass es Unterschiede beim Einkommen gebe, dennoch seien Löhne über 240 000 Franken unverhältnismässig.

Am meisten stört sich Heer an den Salären der Aargauer Stadtoberhäupter: «Wir werden in nächster Zeit prüfen, ob eine Volksinitiative für die Einkommens-Limitierung von Aargauer Stadtpräsidenten – insbesondere jener in Baden und Aarau – sinnvoll ist.»

Davon hält Aaraus Stadtammann Marcel Guignard herzlich wenig. «Ich verstehe nicht, weshalb sich der BDS auf Themen fokussiert, die demokratisch abgestützt sind.» Guignards Jahreseinkommen von 236 356 Franken liegt knapp 14 000 Franken über jenem des Berner Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät.

Gelassen reagiert der Badener Stadtammann Stephan Attiger: «Schon vor einigen Jahren hiess es, man wolle die Aargauer Löhne ins Visier nehmen. Bislang ist nie etwas geschehen.» Ohnehin fände er es falsch, nur die effektiven Löhne zu vergleichen. In Baden sei das Grundsalär zwar gut, Nebenverdienste seien allerdings auf 20 000 Franken jährlich beschränkt und auch eine Abgangsentschädigung gebe es für ihn nicht.

«Ich arbeite viel und sehr gewissenhaft, dennoch bin ich der Meinung, dass ich mehr bekomme, als ich verdiene», glaubt hingegen der Landammann der Landschaft Davos, Hans Peter Michel. Noch mehr als dessen Einstellung dürfte BDS-Präsident Heer wohl freuen, dass sich Michel gleich selbst um seine Lohnminderung gekümmert hat.

Mit einem jährlichen Einkommen von 209 898 Franken bewegt sich der Bündner FDP-Politiker zwar im Mittelfeld des nationalen Lohnvergleichs, aus seiner Überzeugung heraus hat er sich dennoch dafür eingesetzt, dass sein Lohn um knapp 11 000 Franken nach unten korrigiert wird.

Doch weshalb? Michel sagt: «Ich bin kein Pestalozzi und kein Wohltäter. Ich bin lediglich der Überzeugung, dass sich meine Lebensqualität ab einem gewissen Lohnniveau nicht mehr massgeblich verbessert. Solange ich jeden Mittwoch im Dorfladen meine Lieblingswurst mit Brot essen kann, bin ich zufrieden».

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