VON CLAUDIA MARINKA, PATRIK MÜLLER UND NADJA PASTEGA

Bis Dienstag werden die Stadträte zuhause isoliert. Dies ordnete der Kantonsärztliche Dienst an. Die morgige Stadtratssitzung fällt aus. Beim Verdachtsfall handelt es sich um den Vorsteher des Gesundheitsressorts, Michael Ganz. Er war letztes Wochenende auf demselben Flug von Philadelphia nach Zürich wie jener Patient, der nach wie vor im Kantonsspital Baden isoliert ist. Ganz und seine Frau zeigten Anfang Woche Grippesymptome. Der Hausarzt schickte sie zur Abklärung ins Kantonsspital Aarau. Das Ergebnis des Labortests steht derzeit noch aus.

«Es geht mir gut», sagte Ganz gestern am Telefon. Er verbrachte mit seiner Familie die Frühlingsferien nicht etwa in Mexiko, sondern in Kalifornien.Nicht nur die sieben Stadträte, auch rund 40 weitere Personen stehen unter Quarantäne: Menschen, mit denen Ganz direkten Kontakt hatte – darunter die Verwaltungs-räte der Industriellen Betriebe Aarau (IBA) und deren Partnerinnen.

Offenbar konnte Heinz Keller, Chef der IBA, wegen der Quarantäne nicht an der Hochzeit seiner Tochter dabei sein. Die Quarantäne-Massnahme sei übertrieben, finden einige der Betroffenen – sie wollen aber nicht zitiert werden. Offen spricht SP-Vizeammann Beat Blattner: «Das ist ein Witz, eine Schreibtisch-Idee. Meine Frau und ich sind unter Quarantäne gestellt, unsere Kinder aber nicht. Das kanns doch nicht sein.»

Weiter sagt Blattner: «Am Freitag hielt ich eine 1.-Mai-Rede, da kam ich etwa mit 100 Leuten in Kontakt, bei denen die Übertragung wohl funktioniert hätte. Mit ihnen redete ich sicher mit weniger als einem Meter Distanz. Zudem war ich als Lehrer die ganze Woche an der Schule. Wir haben erst am Freitag um 23 Uhr erfahren, dass wir ab sofort unter Quarantäne stehen.» Dennoch wird er den «Hausarrest» befolgen: «Der Stadtrat kann es sich nicht leisten, sich nicht daran zu halten.

Kein Verständnis für die Quarantäne hat der Basler Arzt und Nationalrat Jean Henri Dunant: «Wenn schon Isolation, dann nicht zuhause, sondern im Büro – dann können die Politiker arbeiten und Sitzungen abhalten», sagt Dunant, Mitglied der parlamentarischen Gesundheitskommission. «Übernachten könnten sie auf einem Feldbett, das Essen würde an die Tür gebracht.»

Die Zahl der Verdachts-Meldungen in der Schweiz liegt jetzt bei 44. Kerry F. aus Baden ist der einzige bestätigte Fall, in 20 der 44 Fälle wurde Schweinegrippe ausgeschlossen, 23 Fälle sind noch ungeklärt.