St.Galler Imam empfiehlt Schläge bei Kindern – wenn sie nicht beten wollen

Islamwissenschafter, der Kinderschutz und sogar Muslime sind alarmiert: Die Aussagen auf der Moschee-Website setzten ein falsches Zeichen.

Mit einem freundlichen Lächeln begrüsst Fehim Dragusha, der Imam der El-Hidaje-Moschee in Winkeln SG, den Besucher auf seiner Website. Doch was der 29-Jährige aus Kosovo den muslimischen Gläubigen in der Schweiz mit auf den Weg gibt, hat es in sich.

«Ihr sollt euren Kindern das Gebet beibringen, wenn sie das 7. Lebensjahr vollendet haben. Mit 10 sollt ihr sie deswegen schlagen (tadeln).» Diesen Ausspruch des Propheten Mohammed hat Fehim Dragusha fett hervorgehoben und prominent platziert: Es ist der dritte Satz in seiner Beschreibung der «Islamischen Religionslehre der Moschee El-Hidaje». Den Eltern empfiehlt Dragusha die Strafe mit den Worten: «Jeder, der diese Methodologie bei der Erziehung der Kinder anwendet, wird keine Schwierigkeiten und Ermüdungen in Sachen der Religionslehre haben.»

Auf der Website wirbt Imam Dragusha für das pädagogische Angebot der Moschee. So gibt es dort einen islamischen Kindergarten, in dem Kinder zwischen 5 und 7 Jahren ein Mal pro Woche unterrichtet werden: Jeweils sonntags von 10.30 bis 12.45 Uhr lernen sie den Islam kennen und dürfen dabei malen. «Der Gründungszweck dieser Klasse war, den Kindern den Islam von Kindheit an beizubringen», schreibt Fehim Dragusha – und zitiert erneut den Propheten Mohammed mit seiner umstrittenen Erziehungsempfehlung.

Sogar Muslime sind über diese Aussage empört: «Die Verantwortlichen heiligen damit eine Methode des 7. Jahrhunderts, unabhängig von den Errungenschaften unserer Zeit, von Menschenrechten. Das ist hochproblematisch», sagt Saïda Keller-Messahli, die Präsidentin des Forums für einen Fortschrittlichen Islam. Der Kinderschutz Schweiz stellt klar: «Schläge dürfen in der Erziehung kein Mittel sein», so Kommunikations-Chef Marcel Wisler. «Wir setzen uns dafür ein, dass in unserer Gesellschaft Gewalt gegen Kinder nicht mehr toleriert wird.»

Auch der Islamwissenschafter Andreas Tunger-Zanetti von der Universität Luzern hat kein Verständnis für die Aussage: «Dieses Zitat ist völlig deplatziert und sendet, wohl aus Gedankenlosigkeit, ein falsches Zeichen», so Tunger-Zanetti. Es gebe Tausende angeblicher Aussprüche, die vom Propheten Mohammed überliefert seien, so genannte Hadithe. Darunter seien auch solche, aus denen sich eine andere Pädagogik ableiten lasse. Doch die hat der Imam der St.Galler Moschee nicht abgedruckt.

Tunger-Zanetti sagt: «Der zitierte Ausspruch sagt nichts darüber aus, ob die Eltern ihre Kinder ab 10 Jahren tatsächlich schlagen. Aber er entspringt der konservativen Grundhaltung, die in den Schweizer Moscheen mehrheitlich anzutreffen ist.»

Wie konservativ die Haltung der St.Galler Moschee ist, zeigt sich auch ein paar Absätze tiefer auf der Website. Dort verteufelt Fehim Dragusha, der sein Diplom an der Universität des streng religiösen Sultanats Brunei erworben hat, das Tanzen als Freizeitbeschäftigung: «Wir sind selbst die Zeugen, dass viele Eltern erlauben ihren Kindern sekundäre Dinge zu lernen wie Tanzen und andere Sachen wodurch sie die Zeit umsonst verderben, anstatt sie zu orientieren Koran zu lernen», so der Imam in gebrochenem Deutsch. Er warnt die Eltern: «Unsre Kinder werden unwürdig bleiben falls wir mit ihnen nicht intensiv arbeiten.»

Der St.Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann ist entsetzt, dass eine Moschee in St.Gallen derartiges Gedankengut verbreitet: «Ein Aufruf zu Gewalt gegen Kinder ist strafbar», so Reimann. «Die Behörden müssen die Moschee sofort genau unter die Lupe nehmen und einschreiten.» Fehim Draghusha war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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