Die Spitzen des Schweizer Fussballs fürchten sich vor einem Ja zur 1:12-Initiative der Jungsozialisten im November. Sie warnen vor einem Qualitätsverlust des Profifussballs, wenn den Klubs Lohnbegrenzungen auferlegt werden. Die 1:12-Initiative verlangt, dass der höchste Lohn in einem Unternehmen das Zwölffache des tiefsten Lohns nicht überschreiten darf – und die Juso haben klargemacht, dass sie mit Unternehmen auch Fussballklubs meinen.

Den Anfang machte der Präsident des FC Basel, Bernhard Heusler. «Eine Annahme der Initiative würde die Wirtschaftlichkeit und damit die sportliche Wettbewerbsfähigkeit der Profifussballklubs in der Schweiz empfindlich treffen», sagte Heusler letzte Woche in der «Schweiz am Sonntag». «Spieler wie Alex Frei oder Marco Streller könnten nicht mehr engagiert werden, weil die Differenz zum möglichen Gehalt im benachbarten Ausland schlicht zu hoch wäre. Auch einen Xherdan Shaqiri hätten wir viel früher ans Ausland verloren.»

Jetzt doppelt der Präsident des Grasshopper-Clubs, André Dosé, nach: «Die Initiative wäre für den Schweizer Fussball problematisch.» Dosé sorgt sich um die Attraktivität der Schweizer Liga für einheimische Talente. «Die Schweiz ist keine Insel, auch unsere Klubs operieren auf einem internationalen Markt. Wenn die Klubs die besten Schweizer Spieler nicht mehr marktgerecht entlöhnen können, wechseln diese noch früher ins Ausland.» Dort gingen sie das Risiko ein, sich nicht durchzusetzen. «Das würde auch die Nationalmannschaft zu spüren bekommen», sagt Dosé.

Ähnliche Befürchtungen hat Nati-Trainer Othmar Hitzfeld. Stars wie Shaqiri, der vergangenen Sommer von Basel zum FC Bayern wechselte, seien eben ihr Geld wert, sagte er vergangene Woche am Swiss Media Forum.

Damit die Lohnspanne von 1 zu 12 überschritten wird, muss ein Spieler oder Trainer wohl mehr als 600 000 Franken verdienen. Bei GC dürfte mit Captain Veroljub Salatic zumindest ein Spieler über dieser Schwelle liegen. Präsident Dosé sagt jedenfalls: «Auch wir würden die 1:12-Vorgabe nicht erfüllen.»

Sicher mehr als 600 000 Franken bezieht auch der italienische Weltmeister Gennaro Gattuso, der vergangenes Jahr von der AC Mailand zum FC Sion wechselte. Sion-Präsident Christian Constantin sagt: «Einen Gattuso hätte ich mit dieser Initiative nicht verpflichten können. Wenn du einen solchen Topspieler in die Schweiz holen willst, kostet das nun mal Geld.»

Für Sion habe sich der Transfer des Stars gerechnet, weil der Verein alleine mit Trikotverkäufen grosse Einnahmen erzielt habe. «Von diesem Geld profitieren alle im Klub, auch die jungen Spieler», sagt Constantin. Sein Fazit: «Diese Initiative ist gefährlich für den Profifussball.»

Auch Vereine, die heute von der 1:12-Initiative laut eigenen Angaben nicht tangiert wären, befürchten Einschränkungen. Der Geschäftsführer des FC Luzern, Thomas Schönberger, sagt, er wolle sich die Möglichkeit offenhalten, einen Spieler wie Pirmin Schwegler, der beim FCL gross wurde und heute in der Bundesliga spielt, dereinst einmal aus dem Ausland zurückzuholen. «Das würde mit einer Lohnbeschränkung sehr schwierig», sagt Schönberger.

Nicht betroffen wäre von der Initiative offenbar auch der FC Zürich. Präsident Ancillo Canepa lässt ausrichten: «Die 1:12-Initiative beeinflusst den FCZ in keinster Weise. Dies soll aber keine Beurteilung sein, ob diese Initiative Sinn macht oder nicht.» Würden diese Vereine von einer Beschränkung für ihre zahlungskräftigeren Konkurrenten nicht sogar profitieren? Nein, sagt FCL-Chef Schönberger: «Ich will keine Nivellierung nach unten.» Er halte deshalb nichts davon, Klubs wie dem FC Basel Fesseln anzulegen.

Dabei gebe es durchaus sportliche Gründe für eine Begrenzung der Lohnspanne in Fussballklubs, sagt Juso-Präsident David Roth, selber Fan des FC Luzern. Er verweist auf Studien wie jene des Zürcher Ökonomen Bruno Frey, der berechnet hat, dass eine grosse Lohnschere die Leistung einer Mannschaft eher schmälert. Roth kritisiert die Sportfunktionäre, die nun gegen die 1:12-Initiative antreten, scharf: «Wenn Leute wie André Dosé, der bei der Swiss Millionen verdiente, Fussballer vorschieben, um Managerlöhne zu verteidigen, dann zeigt das nur den Argumentationsnotstand der Initiativgegner.»

Fest steht, dass die Verhältnisse im Schweizer Fussball im Vergleich zum Ausland egalitär sind. Lohnspannen wie etwa in der englischen Premier League sind hierzulande undenkbar. Stars wie Wayne Rooney (Manchester United) und Eden Hazard (Chelsea) räumen dort Jahreslöhne von über 13 Millionen Franken ab. Umgerechnet auf die tiefsten Löhne in einem Verein ergibt das geschätzte Verhältnisse von 1 zu 375.

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