Demnächst überschreitet die Schweiz die Grenze von acht Millionen Einwohnern. Gleichzeitig beschleunigt sich die Zersiedelung des Landes. Neuste Zahlen aus der Arealstatistik zeigen: In den vergangenen 24 Jahren nahm die Siedlungsfläche um 24 Prozent zu. Die überbaute Fläche entspreche damit der Grösse des Genfersees, bestätigt Rudolf Menzi, Sprecher des Bundesamts für Raumentwicklung.

Die Zahlen rütteln die Politik auf. Und sie werfen ein Schlaglicht auf die anhaltende Zuwanderung und Zersiedelung. «Der Sonntag» wollte von den Parteien wissen, wie viele Einwohner die Schweiz erträgt. Brisant ist die Antwort von SP-Nationalrätin Jacqueline Badran: «Acht Millionen», betont sie. «Mehr Menschen wären technisch machbar, aber nicht wünschbar, da mit hohen Folgekosten aller Art verbunden und erst noch extrem unsolidarisch mit Europa.»

Auch für SVP-Präsident Toni Brunner ist die Grenze erreicht. «Die Zahl der Einwohner muss sich im Bereich von rund acht Millionen Einwohnern stabilisieren», sagt er. «Infrastrukturen, Raumplanung, Energieversorgung, Bildungssystem, Gesundheitswesen oder Sozialwerke ertragen langfristig nicht viel mehr Einwohner.»

GLP-Präsident Martin Bäumle hingegen glaubt, bei einer «nachhaltigen Gesellschaft» seien «zehn Millionen verkraftbar», mit der heutigen Verschwendungsgesellschaft seien aber schon sechs Millionen «nicht nachhaltig». CVP-Präsident Christophe Darbellay geht noch weiter. Er hält «12 Millionen Einwohner in 50 Jahren» für «vertretbar», wenn das Land attraktiv bleibe und seine Hausaufgaben löse. Keine Zahl nennen will FDP-Präsident Philipp Müller: «Es kommt darauf an, ob die Leute in die Gesellschaft und Wirtschaft integrierbar sind.»

Handlungsbedarf orten in Sachen Zuwanderung alle Parteien. FDP-Präsident Müller will die Einwanderung aus Drittstaaten bremsen. CVP-Präsident Darbellay fordert «verdichtetes Bauen». SP-Nationalrätin Badran verlangt, «umgehend die ruinöse auf Steuerdumping ausgerichtete Standortpolitik» zu reformieren. Und SVP-Präsident Brunner verweist auf die Volksinitiative seiner Partei, welche die «Masseneinwanderung» begrenzen will.

Bevölkerungswachstum und zugebaute Landschaften: Was die nackten Statistiken erahnen lassen, wird durch einen Direktvergleich von neuen Flugaufnahmen verschiedener Gemeinden mit Bildern aus den 1940er-Jahren eindrücklich dokumentiert.

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