VON BEAT SCHMID

Die Firma Aegis Defence Services Ltd. startete im vergangenen Juli eine verdeckte Operation in der Westschweiz. Mitarbeiter trafen sich mit Westschweizer Repräsentanten aus Politik, Justiz, Polizei und Banken. Das Ziel der Aktion war die Beschaffung von kompromittierenden Informationen über den illustren Walliser Unternehmer Antoine Hubert. Das steht in einem sechsseitigen Bericht, welchen die Organisation für ihre Auftraggeber verfasste.

Es finden sich keine Hinweise, wie die Mitarbeiter von Aegis vorgegangen sind. Ebenso unklar ist, mit wem sie gesprochen haben oder ob Bestechungsgelder geflossen sein. Der Text zitiert anonyme Quellen und ist auf blankem Papier ohne Briefkopf gedruckt. Das Dokument trägt weder Absender noch Unterschrift. Der Name Aegis erscheint nirgends im Dokument.

Es liegt in der Natur dieses Geschäfts, keine Spuren zu hinterlassen. Aegis-Mitarbeiter dürften verdeckt und mit falschen Namen in Geheimdienstmanier vorgegangen sein. Wer Wirtschaftsspionage bereibt, wagt sich auf ein heikles Terrain. Wer Justiz- und Polizeipersonal Informationen abluchst, kann sich der Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung schuldig machen.

Spuren hat Aegis aber bei der Rechnungsstellung hinterlassen. Dem «Sonntag» liegt eine Rechnung vor, die in Zusammenhang mit dem Auftrag steht. Darin listet die Firma Aufwendungen für Recherche und Spionagedienste («Intelligence Services») auf. Eine Firmensprecherin wollte sich zum Fall nicht äussern.

Bei ihrer Aktion in der Westschweiz schien Aegis nichts Spektakuläres herausgefunden zu haben. Das Ziel war es, angebliche Verstrickungen zwischen der Westschweizer Politik und Immobilienspekulanten in Zusammenhang mit der Fastpleite der Waadtländer Kantonalbank zu belegen.

Doch mehr als Gerüchte über zu hohe Immobilienbewertungen, die das effektive Ausmass des Milliardenlochs hätten verschleiern sollen, gab es nicht. Aegis und ihre Auftraggeber hatten also nichts Verwertbares, das sie dem Immobilieninvestor und Grossaktionär des Spitalnetzwerkes Genolier, Antoine Hubert, hätten in die Schuhe schieben können.

Doch wer ist der Auftraggeber? Die Rechnung ist adressiert an die beiden Genolier-Verwaltungsräte Hans-Reinhard Zerkowski und Michael Schroeder. Doch ob sie den Auftrag erteilt haben, ist unklar. Zum Hintergrund: Schroeder und Zerkowski waren die letzten verbliebenen Verwaltungsräte bei Genolier, nachdem Hubert und der Ex-Diplomat Raymond Loretan Anfang Juni 2010 abgewählt wurden. Über den Sommer lieferten sich die vier einen erbitterten Machtkampf, der bis zur Wiederwahl von Hubert Kosten in der Höhe von rund 4 Millionen Franken auslöste.

Schroeder und Zerkowski beauftragten renommierte Anwaltskanzleien, PR-Berater und das Beratungsunternehmen PwC. Letztere erstellte einen 700000 Franken teuren Bericht über ein angebliches Bestechungssystem innerhalb der Genolier-Gruppe, um reiche Patienten aus dem arabischen Raum anzuwerben. In der Folge wurde Strafanzeige gegen Hubert wegen Bestechung eingereicht. Weil die Waadtländer Behörden nie aktiv wurden, vermutete die Gegenpartei ein abgekartetes Spiel. Aegis sollte das durchleuchten. Die Rechnung von Aegis und anderen Beteiligten wurde bis heute nicht bezahlt. Deshalb liegen sich die Parteien weiterhin in den Haaren.

Die Aegis Defence Services ist eine weltweit operierende Organisation mit schätzungsweise 20000 Mitarbeitern. Sie ist gemäss eigenen Angaben in fast allen Gewaltkonflikten der Welt tätig, unter anderem in Afghanistan, Irak, Kongo und Sudan. Söldner arbeiten unter anderem für die UNO und das amerikanische Militär. Die Dienste umfassen auch Spionageaktivitäten für Unternehmen.

Wie die Organisation auf ihrer Homepage schreibt, habe sie auch Projekterfahrung in der Schweiz. Gegründet wurde Aegis vom britischen Ex-Offizier Tim Spicer, der den Übernamen «König der Söldner» erhalten hat. Letzten Sommer kam die Organisation in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass sie den Holdingsitz nach Basel verlegt hatte. Damals forderten Politiker, dass Regeln für Privatarmeen wie Aegis aufgestellt werden.

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