VON KURT-EMIL MERKI

Unsere Mail-Anfrage an die Agentur Premium-Speakers lautete: «Wenn ich Rainer Maria Salzgeber für ein Motivationsreferat verpflichten möchte (Dauer 20 bis 30 Minuten): Mit was für Kosten müsste ich da rechnen?» Die Antwort kam postwendend: «Die Grundgage bei Rainer Maria Salzgeber für einen Vortrag oder eine Moderation liegt bei 10000 Franken pro Anlass.» 10000 Franken für eine knappe halbe Stunde – ein stolzer Tarif. Und halbstündige Auftritte sind für Salzgeber die Ausnahme.

Meist moderiert der begnadete Talker prestigeträchtige Grossveranstaltungen wie den Fifa-Galaabend «Weltfussballstar des Jahres» im Zürcher Opernhaus, die «Nacht des Schweizer Fussballs» oder Lindt & Sprünglis Weihnachtszauber. Gemäss Insidern könnte er allein mit der Moderation der Fifa-Gala einen sechsstelligen Betrag eingespielt haben.

Salzgeber will sich zu seinen Einkünften nicht äussern. Rechnen wir also mit realistischen Annahmen. Wenn Salzgeber alle zwei Wochen eine Veranstaltung moderiert, zu einem mittleren Tarif von 20000 Franken, dann ergibt dies den Betrag von 520000 Franken pro Jahr. Salzgeber hat für die Abwicklung seines Nebengeschäfts die Firma Mehrsalz AG gegründet, was sich steuerlich günstig auf das Zusatzeinkommen auswirkt. Rechnet man das Gehalt dazu, das der Sportmoderator als (Teilzeit-)Angestellter des SF bezieht – rund 100000 Franken – kommt ein Betrag zusammen, um den ihn selbst der SRG-Generaldirektor beneiden dürfte.

Rainer Maria Salzgeber ist mit SF-Unterhaltungsmoderator Sven Epiney einsame Spitze, wenn es ums Verdienen geht. Epiney betreibt ein ähnliches Geschäftsmodell – er wickelt seine Nebenbeschäftigungen über seine eigene GmbH ab. Seine jährlichen Gesamteinnnahmen werden auf 500000 bis 600000 Franken geschätzt. Auch Sven Epiney gibt darüber keine Auskunft.

Mit der Geheimniskrämerei könnte es bald vorbei sein. Unter den Fernsehschaffenden macht sich zunehmend Unmut breit, weil sie mit den wenigen Grossverdienern (nebst Salzgeber und Epiney gehört etwa noch Stephan Klapproth dazu) in einen Topf geschmissen werden und quasi mit dem Generalvorwurf der Abzockerei leben müssen. So erwähnte der «Tages-Anzeiger» kürzlich Salzgeber und SF-Börsenmoderatorin Patricia Laeri in einem Atemzug.

Mehr und mehr SF-Angestellte plädieren für Transparenz bei den Nebeneinkünften. Tagesschau-Moderator Franz Fischlin kann auch der Idee etwas abgewinnen, 10 bis 20 Prozent dieser Einkünfte an den Arbeitgeber abzutreten. Fischlin: «Wir verdanken unsere Bekanntheit eindeutig dem Fernsehen.»

Der Tagesschau-Moderator geht in Sachen Offenlegung selber in die Offensive. Er verdiene als 90-Prozent-Angestellter beim SF netto rund 7300 Franken pro Monat. 2010 habe er in seiner Freizeit sechs Veranstaltungen moderiert und dabei insgesamt rund 25000 Franken erhalten. Fischlin sagt, dass er für ganztägige Anlässe 2000 bis 6000 Franken bekomme, sich dafür aber rund vier Tage vorbereite. Die Leitung eines Podiums kommt auf 2000 bis 4000 Franken zu stehen.

Fischlin setzt bei der Auswahl seiner Freizeit-Einsätze einen strengen Massstab an. Er lässt sich weder von Einzelfirmen, noch von politischen Parteien einladen. Und er spielt nie die Rolle des Gastgebers. «Ich lasse mich nur engagieren, wenn ich mich als unabhängiger Journalist einbringen, also auch kritische Fragen stellen kann.»

Auch Fischlins Ehefrau, «10 vor 10»-Moderatorin Susanne Wille, kommt pro Jahr auf etwa sechs Veranstaltungen. Börsen-Moderatorin Patrizia Laeri und Christine Maier, «Club»-Chefin, bewegen sich honorarmässig in einer ähnlichen Liga wie Fischlin. Maier hat für 2011 klare Vorsätze gefasst: «Ich werde sechs bezahlte Veranstaltungen moderieren und zwei ohne Honorar. Und zwar wie bis anhin während meiner Ferientage.»

Das Dossier «Nebenjobs» wird bei der SRG als Chefsache gehandelt. Der neue Generaldirektor Roger de Weck wird sich persönlich darum kümmern.

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