VON OTHMAR VON MATT UND FLORENCE VUICHARD

Bisher hatte SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr als einzige Bundesratskandidatin ihren Steuerausweis publik gemacht: 200000 Franken Einkommen, 626000 Franken Vermögen. Im Interview mit dem «Sonntag» doppelt nun SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga nach. Sie und ihr Ehemann Lukas Hartmann hätten 2009 «120000 Franken Einkommen versteuert und ein Vermögen von 610000 Franken». 400000 Franken dieses Vermögens steckten im Haus. «Ich finde es gut, dass Sie das fragen», betont Sommaruga.

Sie ginge in Sachen finanzieller Transparenz noch einen Schritt weiter. «Ich würde sogar empfehlen, dass die Parlamentarier nicht nur ihre Interessenbindungen offenlegen, sondern wie viel sie je damit verdienen», sagt Sommaruga. «Es gibt Politiker, die behaupten, dass sie für ein Mandat 100000 Franken erhalten aber dennoch unabhängig urteilen können. Ob die Wähler das auch so sehen, sollten sie selber entscheiden können».

Mit der Offenlegung von Fehr und Sommaruga steigt der Druck auf die freisinnigen Bundesratskandidaten, ihre versteuerten Einkommen und Vermögen ebenfalls öffentlich zugänglich zu machen. Das aber will Karin Keller-Sutter nicht. «Das Steuerregister im Kanton St. Gallen ist nicht öffentlich», sagt die Regierungsrätin. «Und ich bin eine Befürworterin des Steuergeheimnisses. Ich sehe keine Veranlassung, meine Steuerdaten offenzulegen.»

Ihr Bruttolohn als Regierungsrätin sei ohnehin transparent und aus der Besoldungsverordnung des Kantons ersichtlich, betont Keller-Sutter. «Für mich besteht kein Zusammenhang zwischen der Qualifikation des Amtes einer Bundesrätin und meinen Steuerdaten.» Gemäss Besoldungsverordnung beträgt Keller-Sutters Bruttolohn rund 260000 Franken. Dazu kommt das Einkommen ihres Ehemannes Morten Keller-Sutter, der als Gerichtsmediziner die Abteilung Forensische Medizin im Zürcher Institut für Rechtsmedizin (IRM) leitet.

Besonders interessant wären die Daten von Unternehmer Johann Schneider-Ammann. Er antwortete gestern nicht auf eine entsprechende Anfrage. Die Zeitschrift «Bilanz» schätzt das Vermögen der Besitzerfamilie der Ammann Group auf 500 bis 600 Millionen Franken. «Ich würde selbstverständlich alle Aktien abgeben», hatte Schneider-Ammann gegenüber dem «Sonntag» betont. «Ein persönlicher Interessenkonflikt wäre ausgeschlossen.»

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