Rund 67000-mal kracht es jährlich auf Schweizer Skipisten. Oft kommt es zu Unfällen wegen überhöhter Geschwindigkeit. Die Suva hat nun die Tempi der Skifahrer analysiert – anhand einer neuen Handy-App.

Vor rund einem Jahr hat die Versicherung Suva eine Handy-App lanciert namens «Slope Track». Sie ermöglicht es, während einer Abfahrt auf der Skipiste die Geschwindigkeit zu messen. 22 000 von über 70 000 Benutzern, die dieses Programm heruntergeladen haben, stimmten der Datenübermittlung an die Suva zu.

Gegenüber dem «Sonntag» nennt Samuli Aegerter, Schneesport-Kampagnenleiter der Suva, die Resultate der Analyse von 110 aufgezeichneten Abfahrten: «Die Auswertung der App-Daten hat ergeben, dass die meisten Ski- und Snowboardfahrer durchschnittlich mit rund 35 Kilometern pro Stunde unterwegs sind.»

Auch die Tempo-Messungen, welche die Suva mehrmals pro Winter an verschiedenen Stationen durchführt, würden einen vergleichbaren Durchschnittswert ergeben, so Aegerter. Die höchste gemessene Geschwindigkeit betrug 62 Kilometer pro Stunde.

Ist nun, wer mit 35 km/h unterwegs ist, ein Pisten-Raser? «Man kann keine Geschwindigkeitsgrenze nennen, ab der es gefährlich wird, da zu viele Faktoren eine wichtige Rolle spielen», sagt Aegerter und nennt die Schnee- und Wetterverhältnisse oder das eigene Können. «Für einen Einsteiger können bereits 30 Kilometer pro Stunde gefährlich sein, ein Didier Cuche fühlt sich in einem Rennen hingegen mit 100 noch wohl.» Doch seien halt nicht alle Profis. Zentral sei, dass man die Bremswege richtig abschätze. Generell beobachtet Aegerter aber, dass Schneesportler ihre Fähigkeiten tendenziell über- und somit die Risiken unterschätzen.

Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung betrug im letzten Winter die Helmtragquote auf Schweizer Pisten stolze 81 Prozent. Und jeder zehnte Skifahrer und fast jeder zweite Snowboarder trug einen Rückenprotektor. Doch dies kann auch zu einem zu hohen Sicherheitsbewusstsein führen.

Ausserdem lauern Gefahren durch neue Technologien: «Es gibt viele Jugendliche, die während des Fahrens Musik auf ihrem iPod hören», sagt René Schiess, Pisten-Patrouilleur von Gstaad-Rougemont. Laut den Elektronikhändlern Conrad, Brack und Interdiscount sind zudem momentan Helmkameras ein Verkaufsrenner. Vor allem die junge Social-Media-Generation möchte auf Facebook und Youtube ihre Pisten-Aktionen mitteilen. Gut möglich, dass das Drehen von Ski-Filmen die Risikobereitschaft weiter steigert.

Beantworten Sie dazu die Sonntagsfrage.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!