Buch Basel, für die Ausgabe 2013 bedeutet das: Lesungen und Podien, Poesie auf der Fähre, Einblicke in den Balkan (Wort und Klang), Auskundschaften von Lebens-, Wirtschafts- und anderen Alternativen. 92 Ereignisse sind es seit Donnerstagabend, wenn wir richtig gezählt haben, die Veranstaltungen für Kinder nicht mitgerechnet. Der Höhepunkt wird in einem Hochamt zelebriert. Es findet heute um 11 Uhr im Foyer des Theaters Basel statt, mit der Verleihung des Schweizer Buchpreises.

Bei dieser Fülle ist Willkür legitim. Wir haben – zugegeben: nicht ganz altersgemäss! – drei explizit als «Veranstaltungen für Jugendliche» bezeichnete Anlässe besucht. Für Jugendliche? Nun, bei Helene Hegemann hätten wir viele Jugendliche erwartet. Nicht nur, weil Hegemann erst 21-jährig ist, sondern weil sie mit dem Etikett «Skandalautorin» an Lesungen reist und so herrlich unverblümt sein kann. Diese Erwartung hat mit «Axolotl Roadkill» zu tun, ihrem wilden und ungestümen Debüt, das 2010 dem Leser ins Gesicht schlug und in dem Sinne pubertär war, dass es seine Ungeschliffenheit stolz und trotzig zur Schau stellte.

Doch nichts von Ansturm und wenige Jugendliche! Stürmisch wars dennoch. Denn Helene Hegemann liest nicht. Sie rast. Entsprechend gab sie flüchtige Einblicke in das Thema ihres neuen Romans «Jage zwei Tiger». Darin schickt sie ihre Protagonisten auf eine Art Roadmovie durch die Abgründe der Kunst- und Kulturschickeria und in die Welt der rich kids. Zwischen der Lesung wurde Helene Hegemann von Luzia Stettler zu einem Gespräch gelockt. Das ist gar nicht so einfach. Denn wird sie gefragt, antwortet sie nicht. Sie wortwirbelt. Erst wenn sich die Wortwolke gesetzt hat und sich der Satzsinn erschliesst, hört und spürt man, was diese medial gehypte Jungautorin auch ist: ein ironischer, äusserst reflektierter und sensibler Mensch, an dem die Unmöglichkeit des Betriebs nicht spurlos abperlt.

Weitaus gelassenere Einblicke holen konnten wir uns bei den «Literarisch-kreativen Maturaarbeiten aus der Region Basel.» Kunststück. Vier junge Menschen präsentierten, was sie neben Mathematik oder Geschichte auch noch schufen. Eine reife Leistung der vier Grünschnäbel an ihrem ersten öffentlichen Auftritt. Die professionelle Attitüde des Jung-Lyrikers Emanuel Heman brachte uns zum Schmunzeln. Nefeli Avgeris hätten wir gerne ein paar präzise Worte geschenkt, wurden dann aber von ihr als Performerin mit expressiven Filmsequenzen beschenkt. Zwei wiederum sprachen weniger und lasen mehr: Annika Tillmann verblüffte mit einer präzis sich entwickelnden, dialogischen Kurzgeschichte und Jonas Klemperer rief mit den «Geschichten aus der Westbank» in Erinnerung, dass politisches Bewusstsein an kein Alter gebunden ist.

Als «junge und kritische» Autorinnen und Autoren wurden sie angekündigt, die «in ihren Texten keine Tabus kennen». Ihr Name: Krokodil. Es sind vier Stimmen aus Ex-Jugoslawien, aus Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina und die serbische Band KAL. Sie haben in Belgrad das «Krokodil»-Literaturfestival «gegen Langeweile und Lethargie» ins Leben gerufen und bereisen mit ihrer Multimediashow inzwischen Europa. Ihr Erfolgsrezept: Ein Mix aus Smalltalk und Lesungen (die Übersetzung kann auf Leinwand mitgelesen werden), dazwischen Musik und am Schluss ein Konzert. Was wir zu hören bekamen, waren weniger literarische Texte als engagierte literarische Reportagen, die alle ein Licht werfen auf ein dunkles Kapitel der zeitgenössischen Geschichte und die ein Thema dominiert: der Krieg. Diese Fixierung verwundert weiter nicht. Wo Bomben fallen, findet Privates kaum Raum.

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