Ein fast perfekter Weihnachtsverkauf geht zu Ende. Zum Höhepunkt kam es gestern Mittag um 11.47 Uhr. Diesen Schluss zieht Bernhard Wenger von der Firma SIX, die hierzulande die meisten Einkäufe mit Maestro-Karten abwickelt. «Pro Minute hatten wir da rund 6000 Zahlungen an Kassen. Hinzu kamen knapp 1000 Bancomat-Bezüge.» Sein erstes Fazit zum Weihnachtsverkauf: «Sicher besser als im letzten Jahr.»

Auch die zwei grossen Detailhändler zeigen sich zufrieden. Die Verkäufe liefen «erfreulich», sagt Coop-Sprecher Urs Meier. Vermutlich werde man die Werte des Vorjahres übertreffen. Coop beobachte einen Trend zu Qualitätsprodukten. Und zu etwas mehr Heimatliebe: «Wir verkaufen mehr Schweizer Wein als früher», sagt Meier.

Migros-Sprecherin Monika Weibel verweist auf «positive Signale» aus dem Lebensmittelgeschäft und bei den Sportartikeln. Der frühe Schnee habe den Verkauf angekurbelt. Und so vermutet auch Weibel, dass 2012 besser werde als das Vorjahr.

Zugriffsstatistiken von SIX sprechen dafür, dass es dem Detailhandel wieder besser geht als allgemein befürchtet. Für den «Sonntag» hat die Firma die Transaktionen der Schweizer mit Maestro-Karten im In- und Ausland ausgewertet. Sie zeigen, wo die Schweizer ihre Karte brauchen; ob in Basel, Baden oder Baden-Württemberg.

Zwar belegen die Zahlen, dass immer mehr Schweizer mit ihrer Karte im Ausland einkaufen. Im Jahr 2011, als der Euro auf unter einen Franken abstürzte, hätten sich die Transaktionen im Ausland verdoppelt, hält Wenger fest. Inzwischen habe die Schweiz-Flucht wieder etwas nachgelassen.

Dieses Jahr rechnet SIX noch mit einem Plus von 50 Prozent. Dieses Wachstum werde auch dadurch relativiert, dass viele Schweizer bisher im Ausland noch in bar oder mit Kreditkarte bezahlt hätten und erst jetzt zur Maestro greifen. Und so sei nicht jede neue Buchung ein zusätzlicher Einkauf.

Die Zahlen zeigen auch: Die Zunahme im Ausland hat in der Schweiz nicht zu einem Rückgang der Kartenbuchungen geführt. Der Umsatz mit Debitkarten sei in der beobachteten Zeit selbst im Grenzgebiet stabil gebliebenen oder habe sogar zugenommen, sagt Wenger. Die drei detailliert ausgewerteten Orte Kreuzlingen, Genf und Mendrisio lagen in den vergangenen Herbstmonaten alle klar über dem Vorjahreswert. Selbst im Oktober noch, als der Effekt des Euro-Schocks im Vorjahr schon etwas abgeklungen war.

Doch Grenzgebiet ist nicht Grenzgebiet. Am extremsten ist der Unterschied zwischen dem Ausland und der Schweiz am Bodensee, wo die Kartenumsätze der Schweizer in Konstanz deutlich stärker zugenommen haben als in Kreuzlingen. In Genf oder im Tessin hatte der Euroabsturz offenbar einen weniger starken Einfluss auf das Einkaufverhalten.

Der Deutschland-Effekt gilt auch für die Gegenrichtung. Offenbar ist den Süddeutschen die Lust auf den Einkauf in der Schweiz eher vergangen als anderen Ausländern. In Kreuzlingen brachen die Transaktionen mit ausländischen Karten im Sommer 2011 deutlich ein und verharren bis heute auf einem tieferen Niveau.

Nicht so in anderen Gebieten, wie Wenger betont. Insgesamt nähmen die Umsätze mit ausländischen Karten in der Schweiz weiter um etwa 10 Prozent pro Jahr zu. Dabei gab es auch Ausreisser nach oben, wie die Maestro-Zahlen zeigen. Lugano und Rotkreuz liegen im Jahresvergleich 80 Prozent im Plus.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!