Als sich Shawne Fielding kürzlich dem Tele-Züri-Interviewer Hugo Bigi öffnete, hatte man den Eindruck, sie lebt in einer Traumwelt, und alles, was sie sagt, reflektiert ihre Wünsche und nicht die Fakten, die ihren Alltag bilden. Die Texanerin wirkt immer so, als käme sie gerade vom Motivationstrainer. Ich bin schön, ich bin smart, ich bin gescheit und charmant, hämmert man sich dauernd ein, und am Schluss glaubt man es selber. «Ich bin auf der Welt, um von Männern bewundert zu werden», sagte sie Roger Schawinski mal im Interview.

Eine Frau, die so redet, muss spinnen. Denkt jedenfalls der Schweizer Durchschnittsmensch, und ich muss auch sagen, aus Shawne Fielding wird man nicht klug. Was ist mit dieser Frau los? Ihr Blog! Um Himmels willen. Da rechnet sie mit ihrem Noch-Ehemann Thomas Borer ab, und das in aller Öffentlichkeit. Rosenkrieg coram publico.

Bei ihrem Auftritt im «Promi Dinner» hat sie den Bogen überspannt, sodass sich Nina Winiger, die Frau, die Thomas Borer im Dezember 2010 erneut zum Vater machte und inzwischen von ihm getrennt ist, zur Wehr setzt. Shawne erzählte beim «Promi Dinner», wie sie sich um Jake, «den Halbbruder meiner Kinder», kümmert und dass sie im Kreissaal dabei war, als Winiger ihm das Leben schenkte.

«Alles erlogen», sagt Winiger, eine Geschäftsfrau, die exklusive Brillengestelle verkauft. «Shawne hat mich ins Spital gefahren, aber bei der Geburt war sie nicht dabei. Sie hat Jake bisher zweimal gesehen, wie wild fotografiert und die Fotos ins Internet gestellt. Ich habe ihr per eingeschriebenen Brief verboten, die Fotos in ihrem Blog zu zeigen. Sie hat den Brief nicht einmal abgeholt.» Winiger und Fielding haben sich gut verstanden, der gemeinsame Kummer über einen schwierigen Mann hat sie zusammengeschweisst. Heute distanziert sich Winiger, über Facebook gibt sie die Details bekannt.

Der Rosenkrieg kann noch lange dauern. Borer kann die Scheidung erst nach zwei Jahren Trennung einreichen, weil sich die Parteien nicht über die Modalitäten einig sind. Shawne hat kein Interesse an einer früheren Scheidung, weil sie bis dahin von Thomas Borer monatlich 45000 Franken erhält.

Man kann sich kaum vorstellen, dass Shawne, die wie ein durchgeknalltes Partygirl wirkt, einmal Repräsentantin der Schweiz war. Eine Art First Lady Helvetiens, was – als Ehefrau des Schweizer Botschafters – ihrer Bedeutung im Ausland entsprach. In Berlin galt sie, ein Jahrzehnt ist es her, als das Glamouröseste, was die Schweiz zu bieten hat. Heute präsentiert sie sich als eine Frau, die mit dem Rücken zur Wand steht und alles riskiert, weil sie nichts zu verlieren hat. Eins ist klar: Sie will ihre Kinder, sie will ihr Geld (sie sagt, sie habe 5 Millionen Dollar in die Ehe gebracht, Thomas Borer erinnert sich an 1,5), sie will in diesem hochdramatischen Scheidungskrieg nicht alles verlieren.

BESUCH BEI SHAWNE FIELDING in ihrem neuen Heim in Bäch. Ihr Freund James Johnson holt mich am Bahnhof, gleich gegenüber der Wohnung, ab. Ein hübscher Mann, Golflehrer, elf Jahre jünger als Shawne, höflich, fast so förmlich wie ein Schweizer. Ruby, die 4-jährige Tochter der Borers, kurvt auf einem rosa Scooter herum. Auf Fieldings Balkon hängt die Schweizer Fahne. Shawne, das wissen wir von ihren TV-Auftritten, will ihre Swissness zeigen. Jetzt, erzählt sie, macht sie einen Intensiv-Deutschkurs in der Berlitz School. Ausserdem schreibt sie ein Buch. «I love my life» soll es heissen.

Wir sitzen im Wohnzimmer. James serviert Tee, werkelt in der Küche und räumt Bastelsachen der Kinder weg. Shawne redet. Genau das Gleiche, was sie ein paar Tage vorher Hugo Bigi erzählt hat. Von der Scheidung, von den Kindern, und – neueste Version –, dass Borer verletzt sei, weil sie ihn verlassen habe. Wegen James.

Früher sagte sie, dass sie sich von Borer trennte, weil eine andere Frau von ihm schwanger wurde. Dann zitiert sie Shakespeare: «Hell has no fury like a woman scorned» (Die Hölle selbst kann nicht wüten wie eine verschmähte Frau). Nun ja, aus Shawne wird man nicht klug. Dann erzählt sie von ihrem Ex-Mann Charlie Williams. Er sei 28 Milliarden Dollar schwer, sagt sie. Millionen?, frage ich zurück. Nein, Milliarden beharrt sie, und ich wundere mich, dass ich seinen Namen nicht auf der Forbes-Liste der Reichsten gelesen habe. Vieles um Shawne ist widersprüchlich. Einerseits jettet sie rund um die Welt, heute Miami, morgen St.Tropez, andererseits fordert sie in ihrem Blog die Fans auf, ihr Geld zu schicken, damit sie die Anwälte bezahlen kann. Es bleibt Ratlosigkeit.

Wie soll man Shawne einschätzen? Ein einfaches Girl aus dem rustikalen Texas, das durch den Miss-Titel hineinkatapultiert wurde in eine Glamourwelt. Durch ihren Ehemann, dessen Trophäenfrau und Aushängeschild sie war, wurde sie mit der Bedeutung versorgt, für die Schweiz so etwas wie eine First Lady im Ausland zu sein. Und nun, als bald geschiedene Frau ohne Beruf und Rückhalt, fällt es ihr schwer, Schein und Wirklichkeit voneinander zu unterscheiden.

Shawne Fielding ist eine Frau, die eine Verletzung erfahren hat, mit der sie nicht fertig wird. Warum, das ist die Frage aller Fragen, hat sie bei der Trennung die Kinder nicht bekommen? Nun, wenn man sich die Schweizer Gerichte vorstellt und sich imaginiert, wie Fielding in Erscheinung tritt – sie sieht ja immer aus wie eine, die den Wet-T-Shirt-Contest gewinnen will (das ist der in den USA beliebte Wettkampf, wo Frauen im T-Shirt mit nix darunter ins Wasser steigen, und die schönste Oberweite gewinnt).

Und daneben Thomas Borer, der nach wie vor in der Öffentlichkeit steht und auch von der öffentlichen Meinung abhängig ist. Als Vater lebt er, der als Ehemann vermutlich untauglich ist, seine guten Seiten aus. Alles um Shawne Borer-Fielding ist ein Rätsel. Ihre Wohnung ist vollgestopft mit Sachen. Die Wände sind gepflastert mit Fotos. Shawne als Titelbild von Zeitschriften, Shawne eingehüllt in die Aids-Schleife, Shawne im Bikini, Shawne überall. Das spricht Bände. Sie begegnet sich selbst im Spiegel. Nicht in der Wirklichkeit. Daher ihre Publizitätssucht?

Als ich mich von Shawne verabschiede, tut sie mir irgendwie leid. Eine Schönheitskönigin aber sollte einem nicht leid tun. Sie ist ja Diva, nicht Opfer.

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