VON PATRIK MÜLLER

Thomas Minders Stimme bebt. «Die Mafia ist ehrlicher als die Schweizer Politik! Die läuft mit der Knarre herum, während unsere Politiker total verlogen sind. Fürchterlich!» Der Kleinunternehmer kann sich nicht beruhigen und zetert in durchdringendem Schaffhauserdialekt weiter: «Ich habe die Schnauze voll von diesem Parteien-Geschacher. Ich lasse mich von der Politik nicht kaputtmachen. Nein, nicht mit mir!»

Was ist passiert mit dem selbstbewussten «Manager-Schreck» («Bilanz»), der mit seiner Abzocker-Initiative die Schweizer Politik seit Monaten auf Trab hält? Wächst ihm die Sache über den Kopf? Der Wirbel scheint ihm zu viel zu werden. «Ich habe Einladungen in die ‹Arena›, in den ‹Club›, in ‹Giacobbo/Müller›. Und Anfragen aller möglichen Zeitungen. Ich kann nicht alles machen.»

Minder wird das Opfer des eigenen Erfolgs. Alle Parteien wollen vom Volkszorn über die Managerlöhne und Boni profitieren – und instrumentalisieren die Initiative zur Selbstprofilierung. Minder: «SP, CVP und FDP geht es mit ihrem Gegenvorschlag nicht mehr um die Sache. Sondern nur um Anbiederung beim Volk.» Das geben hinter vorgehaltener Hand auch Parlamentarier zu. Allerdings müsste man anfügen: Die SVP, mit der sich Minder auf eine parlamentarische Lösung einigte, welche die Volksabstimmung überflüssig machen würde, handelt genauso populistisch.

Minder hat Angst, dass seine Initiative beim Volk bachab geht. «Seit 80 Jahren kam keine Initiative mehr durch, wenn ihr ein Gegenvorschlag gegenübergestellt wurde.»

«Die SP betreibt strategische Drecksspiele. Totaler Kindergarten! Sie hat sich mit der CVP und der FDP verbrüdert und einem Gegenvorschlag zugestimmt, weil sie mir den Erfolg missgönnt. Es ist der SP doch scheissegal, was im Gegenvorschlag steht.»

Minder kritisiert, der Gegenvorschlag habe «offene Hintertüren»: «Exzesse von Geschäftsleitungsmitgliedern sind weiterhin möglich.» Deshalb kommt es für ihn «auf keinen Fall» infrage, die Initiative zurückzuziehen. Er ziehe sie nur zurück, falls seine Blocher-Lösung im Parlament doch noch durchkomme – das ist unwahrscheinlich.

Minder fühlt sich auch persönlich diffamiert. «Es gibt Leute, die streuen bösartige Gerüchte – etwa, dass es meiner Firma schlecht gehe. Oder dass Blocher die Trybol AG finanziell unterstütze. Demnächst heisst es wohl noch, ich hätte uneheliche Kinder.» Minder glaubt, die «Verleumdungen» kämen aus der Küche der Economiesuisse. Etwa von Gerold Bührer selbst, dem Präsidenten des Wirtschaftsverbandes – und ebenfalls Schaffhauser? Minder dazu: «Kein Kommentar.» Dann legt er wieder los: «Bührers Kopf hätte schon längst rollen müssen.»

Kritiker bemängeln, dass Minder keine Zahlen zu seinem Unternehmen offenlegt. Das letzte Geschäftsjahr soll nicht gut gewesen sein. «Stimmt nicht», widerspricht Minder, «wir sind profitabel. Und ein Familien-KMU mit 20 Leuten muss doch nicht seine Bilanz offenlegen, wo sind wir denn!»

Obwohl der 49-Jährige den Glauben an die Politik verloren hat, plant er bereits den nächsten Coup. «Ich habe eine Initiative zum Schutz der Marke Schweiz in der Schublade. Der Text ist fertig, auch die Finanzierung steht. Und ich traue mir zu, die Unterschriften zusammenzubringen.» Seine Initiative würde die Swissness-Vorlage des Bundesrats – laut Minder ein «Riesenhafenkäse» – konkurrenzieren. Dienstleistungen wären nur noch «schweizerisch», wenn sie von Firmen hergestellt würden, die mindestens 50 Prozent der Mitarbeiter in der Schweiz hätten. UBS und CS dürften ihre Dienstleistungen also nicht mehr «schweizerisch» nennen. Dann wird Minder nachdenklich: «Es ist offen, ob ich die Initiative bringe. Ich weiss nicht, ob ich nochmals einen jahrelangen Kampf führen will.»

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