Mit neuen repräsentativen Gebäuden, sogenannten Ideal Orgs, will Scientology weltweit Präsenz markieren und ihren Mitgliedern den vollen Umfang an scientologischen Diensten zur Verfügung stellen. Das schreibt die Sekte auf ihrer Homepage. In den USA und anderen Teilen Europas haben Scientologen bereits etliche solche Tempel eröffnet. Das soll bald auch in der Schweiz geschehen.

Recherchen des «Sonntags» zeigen: Die Bemühungen, eine solche Kirche bald in Basel einzuweihen, sind in vollem Gange. Es wäre nach Berlin erst die zweite Ideal-Org-Kirche im deutschsprachigen Raum. Zwei Scientologen kauften vor einem Jahr eine rund 4000 Quadratmeter grosse Parzelle nahe der französischen Grenze. Annette Klug, Pressesprecherin von Scientology, bestätigt gegenüber dem «Sonntag» erstmals die Pläne. Ein Eröffnungstermin stehe aber nicht fest, da noch Renovationen anstehen würden, sagt Klug. Scientology werde zu gegebener Zeit informieren. Das Grundstück, wo sich heute der Basler Hauptsitz der Sekte befindet, hat die Sekte bereits verkauft. Der neue Inhaber will Wohnungen daraus machen.

Geplant sind in der Schweiz noch weitere neue Scientology-Tempel. Gemäss Insidern sind die Pläne in Zürich am weitesten fortgeschritten. Als Standorte waren Oerlikon und Schwamendingen im Gespräch. Das Projekt soll aber ins Stocken geraten sein, weil zu wenig Geld vorhanden ist. Anette Klug sagt dazu: «In Zürich sind wir noch nicht so weit.» Abklärungen seien aber weiterhin im Gang. Dies gelte auch für alle anderen Scientology-Kirchen in der Schweiz, die in Zukunft eröffnet werden sollen. Ableger in Form von Kirchen oder Missionen hat Scientology derzeit neben Basel und Zürich in Bern, Luzern sowie in der Westschweiz und im Tessin.

Laut Sektenexperte Georg Schmid werden die neuen Kirchen jeweils von Scientologen vor Ort finanziert. «In Basel scheinen Geldgeber gefunden», sagt er. Der Aufbau von sogenannten Ideal Orgs solle zum Zuwachs von Mitgliedern führen. Scientology habe gemäss Aussagen von Schweizer Aussteigern rund tausend aktive Mitglieder in der Schweiz. «Die Zahl scheint sich seit Jahren in dieser Grössenordnung zu bewegen», sagt Schmid.

Die Geschäftsleiterin von Infosekta, Susanne Schaaf, warnt vor der Gefahr, die nach wie vor von Scientology ausgehe. Die Organisation dürfe nicht verharmlost werden, auch wenn die Mitgliederzahl in der Vergangenheit in der Schweiz nicht angestiegen sei. «Leute, die in die Fänge der Sekte geraten, werden schnell abhängig und massiv in der persönlichen Freiheit eingeschränkt», sagt Schaaf. Zwar seien in der Schweiz viele Leute für die Problematik von Scientology sensibilisiert. Wissen schütze aber nicht immer davor, einer Sekte beizutreten.

Scientology wurde in den 50er-Jahren vom amerikanischen Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründet. Die Sekte versucht weltweit, ihren Einfluss auszubauen und ist aufgrund ihrer Praktiken höchst umstritten.

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