Scientology geht in die Offensive. Die Psycho-Sekte will in über achtzig Städten weltweit grosse Zentren bauen, so genannte Ideal-Org-Gebäude. Das schreibt die Organisation auf ihrer Homepage. Dort ist auch Basel als Standort aufgeführt. Gemäss «SonntagsBlick» kündete dies Scientology auch in einem Video an einer Spendenveranstaltung in den USA an.

Wie Recherchen des «Sonntags» zeigen, ist ein möglicher Standort für die geplante Basler Scientology-Kirche ein rund viertausend Quadratmeter grosses Grundstück im Hegenheimerquartier, nahe der französischen Grenze. Dazu gehören ein Bürogebäude an der Burgfelderstrasse 211, ein Bürogebäude mit Verbindungsbau an der Kaysersbergstrasse 3 sowie eine Werkstatt, eine Tankstelle, ein Wohnhaus und eine Transformatorenstation.

Zwei Scientologen haben diese Parzelle im April dieses Jahres gekauft. Das würde zum Zeitplan von Scientology passen, denn die Sekte kündet im Internet an, das Zentrum in Basel zwischen 2011 und 2012 eröffnen zu wollen. Eine der neuen Besitzer-Firmen ist die in Basel domizilierte Burgfelder Immobilien AG, deren Verwaltungsratspräsident Patrick Schnidrig ist auch Präsident der Scientology-Kirche Basel. Der andere Eigentümer, die Zürcher Estoniola AG, gehört dem Scientologen Heinrich Renggli.

Schnidrig bestätigt telefonisch, dass die Idee bestand, auf diesem Grundstück eine Scientology-Kirche einzurichten. Schriftlich gibt er später an, dass Scientology bis Ende November entscheiden werde, wo der Standort der neuen Ideal- Org-Kirche in Basel sein soll. Er betont, dass die Kirche nicht an der Burgfelderstrasse 211 entstehen soll, wo der Baukonzern Implenia eingemietet ist. Die Implenia bleibe dort Mieterin. Zur Liegenschaft an der Kaysersbergstrasse 3, die im Moment leer steht, könne er keine Angaben machen. Diese gehöre Heinrich Renggli.

Renggli äussert sich zur geplanten Scientology-Kirche auf diesem Areal nur schriftlich. Er lässt ausrichten, dass man sich in einer Planungsphase befinde. «Was in naher oder ferner Zukunft mit den Gebäuden geschieht, diskutieren wir ausschliesslich mit direkt betroffenen Parteien», schreibt Renggli. Solange die Planungsphase nicht beendet sei, würden diese Themen nur firmenintern behandelt. Pressesprecher Rolf Moll bestätigt, dass die Scientology in Basel und der näheren Umgebung geeignete Objekte geprüft habe, um darin eine Kirche einzurichten. Das Projekt sei noch in der Planungsphase.

Sektenexperten glauben, dass Scientology mit den Ideal-Org-Bauten wieder Präsenz markieren wolle. Religionswissenschafter und Sektenexperte Georg Schmid ist der Ansicht, dass die neuen Kirchenbauten ein Ausdruck der Verzweiflung seien. «Die Mitgliederzahlen bei Scientology gehen seit 1990 kontinuierlich zurück», sagt er. Schmid schätzt die Zahl der aktiven Scientology-Mitglieder in der Schweiz auf rund tausend. Der Standort Basel scheint auch ideal, um neue Mitglieder im grenznahen Ausland anzuwerben.

Am Rheinknie regt sich bereits Widerstand gegen das Projekt. CVP-Grossratspräsident und Neu-Nationlrat Markus Lehmann findet es nicht erfreulich, dass Basel neuer Standort eines Scientology-Tempels werden soll. Lehmann befürchtet, dass eine ähnliche Diskussion ausbreche, wie es sie bereits Ende der 90er-Jahre gab: Damals kämpften Scientology-Gegner für ein Gesetz gegen das Anwerben von Mietgliedern auf öffentlichem Grund durch Strassenmissionare. Scientology klagte gegen das Gesetz. Die Sekte blitzte aber vor Bundesgericht ab.

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