Noch ist die Wintersaison nicht zu Ende. Doch schon jetzt lässt sich sagen: Den Schweizer Skiorten ist es gelungen, den jahrelangen Abwärtstrend zu brechen. Und dies, obwohl Schweiz-Tourismus-Chef Jürg Schmid zum Saisonstart noch von einem «strengen Winter» gesprochen hatte.

Laut dem neusten Saison-Monitoring des Branchenverbands Seilbahnen Schweiz hat die Zahl der Gäste in den Skigebieten bis und mit Februar um 5,4 Prozent zugenommen. Hält der Trend bis Ende Saison an, haben sie gegenüber der Vorjahressaison mehr als 1,3 Millionen Gäste hinzugewonnen und sind wieder auf dem Niveau der Wintersaison 2010/11 angelangt.

«Es ist erfreulich, dass es wieder aufwärts geht», sagt Andreas Keller von Seilbahnen Schweiz. «Die Talsohle scheint erreicht», sagt auch Jürg Schmid. «Die loyalen Schweizer Gäste haben massgeblich zur Stabilisierung beigetragen.» Zu verdanken ist der Aufschwung vor allem dem guten Saisonauftakt mit besten Wetter- und Schneeverhältnissen. Zudem lagen die Feiertage für Arbeitnehmer so günstig wie lange nicht mehr.

In Euphorie ausbrechen mögen die Bergbahnbetreiber aber nicht. Erstens gingen die Tageseintritte im Januar und Februar gegenüber dem Vorjahr erneut leicht zurück. Zweitens findet die Erholung auf tiefem Niveau statt. «Wir liegen immer noch deutlich unter dem Zehnjahresschnitt», sagt Andreas Keller.

Überdurchschnittlich war die Zunahme bei den Bahnen in der Zentralschweiz, in den Waadtländer und Freiburger Alpen, im Berner Oberland und in Graubünden. Gemäss einer Umfrage des «Sonntags» konnten die Skigebiete von Arosa, Engadin-St. Moritz, Gstaad, Lenzerheide, Saas-Fee, Scuol und Sörenberg allesamt zulegen. «Sehr erfreulich», bilanziert Gstaad, «zufrieden» ist man in Arosa, Sörenberg und Saas-Fee. Nur auf Vorjahreskurs befinden sich hingegen die Bergbahnen von Davos, der Jungfrau-Region und dem Toggenburg.

Von der Trendwende profitieren auch die Hotels. Im Dezember haben die Logiernächte um 5,3 Prozent zu-, im Januar hingegen um 1,4 Prozent abgenommen. In absoluten Zahlen bleibt jedoch unter dem Strich ein Plus von 84 000 Übernachtungen in diesen zwei Monaten. Das stärkste Logiernächte-Wachstum verzeichneten Graubünden, die Zentralschweiz und das Berner Oberland.

Für den Februar liegt noch kein gesamtschweizerisches Resultat vor. Die Zahlen aus einzelnen Orten, die dem «Sonntag» vorliegen, machen jedoch Mut. Im Unterengadin und in Samnaun legten die Hotels bis Ende Februar um 4,4 Prozent zu. Die Region Heidiland vermeldet sogar ein Plus von 9 Prozent. Deutlich mehr Hotel- und Ferienwohnungsgäste gab es auch in Arosa, Gstaad, Saas-Fee und Sörenberg. Die Zunahme kam gleichermassen von den schweizerischen und den ausländischen Skigästen. Das deutet darauf hin, dass der starke Franken die Europäer nicht mehr so stark von Ferien in der Schweiz abhält wie noch vor einem Jahr.

«Die Gäste aus dem Euro-Raum gewöhnen sich allmählich an den nach wie vor hohen Wechselkurs des Schweizer Frankens», sagt Hotelleriesuisse-Präsident Guglielmo Brentel. «Heute ist die Schweizer Hotellerie auf guten Wegen zurück zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit.»

Doch nicht überall ist die Tourismuskrise beendet. In Davos sind die Hotelübernachtungen bis Ende Februar erneut um 2 Prozent zurückgegangen. Auch die Lenzerheide lockte diesen Winter weniger Hotelgäste an.

Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid mag deshalb noch nicht zu stark jubeln. Er sagt: «Nach den markanten Einbrüchen ist der Schweizer Tourismus immer noch auf einem tiefen Niveau.» Zudem seien die Umsätze wegen des grossen Preisdrucks nach wie vor leicht rückläufig.

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