Erstmals führen Schweizer Universitäten eine flächendeckende Zulassungsbeschränkung für Studenten aus Deutschland ein. Ab diesem Herbst setzen sie verschärfte Aufnahmebestimmungen für Deutsche in Kraft. Neu sind sie als Studienanfänger nur noch dann zugelassen, wenn sie im Abitur den Notendurchschnitt 2 oder 2,5 erreichen, was in der Schweiz der Note 5 respektive 4,5 entspricht – oder wenn sie einen Studienplatz in Deutschland nachweisen können.

Eine Kommission der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (Crus) hat die neue Regelung erarbeitet. «Die Crus hat das abgesegnet», bestätigt Mathias Stauffacher, Generalsekretär der Crus.

Damit werden die Hürden für Deutsche deutlich höher. Bisher galt nur für vereinzelte Fächer an einigen Unis, dass sie bereits an einer deutschen Hochschule zugelassen sein müssen – jetzt gilt die Aufnahmebremse mit Noten-Guillotine oder Studienplatznachweis schweizweit für alle Studienrichtungen. Einen Sonderzug fahren nur die Universität St.Gallen (HSG) und das Tessin. Sie haben anderslautende Bestimmungen.

Neu gibt es A- und B-Universitäten: Zu den Elite-Hochschulen mit den strengsten Auflagen gehören Zürich und Bern, sie verlangen die Abi-Note 2. Die Universitäten Basel, Freiburg, Genf, Lausanne, Luzern und Neuenburg schreiben eine 2,5 vor.

«Die neue Regelung steht im Licht der Qualitätssicherung», sagt Crus-Präsident Loprieno: «Wir sind offen für ausländische Studenten. Aber wir wollen nicht jeden, sondern die guten Leute.»

Mit der Zulassungsbeschränkung reagieren die Schweizer Hochschulen auf den Zustrom aus dem Nachbarland. Inzwischen pauken über 10000 Deutsche an einer hiesigen Universität. Bislang war es für Deutsche deutlich einfacher, in der Schweiz einen Studienplatz zu bekommen als in der Heimat. «In Deutschland gibt es für viele Fächer einen Numerus clausus», sagt Thomas Tschümperlin vom Rektoratsdienst der Universität Zürich. «Mit den neuen Zulassungsbedingungen wollen wir verhindern, dass wir zur Ausweich-Universität für jene Studierenden werden, die in Deutschland die Voraussetzung für einen Studienplatz nicht erfüllen.»

Der Druck auf die Schweiz wird sich weiter verstärken. Den deutschen Unis steht ein Rekordjahr bevor: Mit doppelten Abitur-Jahrgängen in Bayern und Niedersachsen sowie der Aussetzung der Wehrpflicht ist der Ansturm der Studienanfänger so gross wie noch nie. Laut der deutschen Rektorenkonferenz gibt es in diesem Jahr 140000 zusätzliche Studieninteressenten. Derzeit fehlen in Deutschland noch 50000 Studienplätze. Viele Studienwillige könnten in die Schweiz ausweichen.

Die Zahl der deutschen Bewerber liegt an der Universität Zürich bereits deutlich über dem Vorjahr: «Wir haben derzeit rund 20 Prozent mehr Anmeldungen aus Deutschland», sagt Tschümperlin. Das sage aber noch nichts aus über die Zahl der Studierenden, die im Herbst tatsächlich ein Studium aufnehmen. Der Grund: «Die Studienplätze werden in Deutschland erst jetzt vergeben.»

Wie stark die Aufnahmebremse der Schweizer Universitäten greift, zeigt sich Ende September – dann startet das neue Semester.

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