Kinderlose Paare, die ein Baby adoptieren, werden immer seltener. 2011 wurde mit 509 Adoptionen der tiefste Stand erreicht, seit diese statistisch erfasst werden (also seit 1980). Das geht aus neuen Daten des Bundesamtes für Statistik hervor.

Innerhalb von 15 Jahren hat sich die Zahl der Adoptionen damit halbiert. Innerhalb von 30 Jahren ist sie sogar um zwei Drittel zurückgegangen – von 1600 auf 509 adoptierte Kinder.

Die Ursache für diesen Abwärtstrend ist nicht zuletzt der Fortschritt in der Reproduktionsmedizin, wie die Schweizerische Fachstelle für Adoptionen bestätigt. Früher haben Paare mit Fruchtbarkeitsproblemen eher ein Kind adoptiert als heute. Viele versuchen es nun zuerst mit einer Befruchtung im Reagenzglas. Rund 3000 Kinder kommen jedes Jahr in der Schweiz so zur Welt – und die Tendenz ist steigend.

Bei ihrem Wunsch nach einem Baby greifen Frauen zunehmend zu Methoden, die hierzulande verboten sind: zur Eizellspende oder zur Leihmutterschaft. Dazu müssen sie ins Ausland gehen. Weiterer Grund für die Abnahme der Adoptionen ist das Haager Abkommen, welches dem Schutz des Kindes dient. Es bestimmt unter anderem, dass zuerst Paare im Herkunftsland und erst danach ausländische Adoptionswillige berücksichtigt werden. Wartezeiten von bis zu fünf Jahren erschweren die Adoption eines Kindes zusätzlich.

Weil es immer schwieriger wird, im Ausland ein Kind zu bekommen, wächst die Nachfrage nach Inland-Adoptionen. Allerdings gibt es in der Schweiz nur rund 30 Babys, die pro Jahr zur Adoption freigegeben werden. Die Neugeborenen stammen mehrheitlich von unverheirateten Frauen aus den Balkanländern. Da uneheliche Schwangerschaften bei ihnen als Schande angesehen werden, gibt man solche Kinder manchmal still und leise zur Adoption frei.

Dazu kommen Babys von Frauen aus dem Osten, die sich in der Schweiz aus finanzieller Not prostituieren, und von Flüchtlingsfrauen, die schwanger einreisen und keine Zukunftsperspektive sehen.

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