Schweizer Ex-Geiseln: „Terroristen in Mali sind zu allem bereit“

Das Ehepaar Greiner zuhause in ihrem Wohnzimmer. Foto: Siggi Bucher

Das Ehepaar Greiner zuhause in ihrem Wohnzimmer. Foto: Siggi Bucher

Das Ehepaar Gabriella Barco und Werner Greiner wurde 2009 von Al-Kaida-nahen Terroristen in Mali als Geiseln festgehalten. Die Frau kam nach drei Monaten frei, Werner Greiner erst nach sechs Monaten. Einer seiner Mitgefangenen, der Engländer Edwin Dryer, wurde von den Terroristen hingerichtet. Die damalige Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat sich persönlich um die Freilassung des Ehepaars bemüht. Bei einer dreitägigen Reise durch Westafrika kam sie auch mit dem damaligen Präsidenten Amadou Toumani Touré zusammen, um über die Freilassung der Geiseln zu verhandeln.

Heute lebt das Ehepaar in der Nähe von Zürich. „Der Sonntag“ fragte das Ehepaar Greiner, wie es auf Grund ihrer Geiselerfahrung die Bemühungen der Schweiz um Frieden in der Krisenregion einschätze: „Meine persönliche Meinung dazu ist, dass die Chancen dafür minimal sind. Die Gruppierungen dort sind extrem radikal. Sie wollen die Scharia einführen und zeigen keinerlei Kompromissbereitschaft. Da bleibt kein Spielraum für Diskussionen“, sagen die Greiners. Werner Greiner sagt, er habe monatelang die Radikalität dieser Leute erdulden müssen. „Sie sind zu Erreichung ihrer Ziele zu allem bereit. Sie sind bereit zum Töten und haben selber keine Angst vor dem Tod, was sie extrem gefährlich macht“, so Greiner.

Seine Frau Gabriella pflichtet ihm bei: „Ich bezweifle, dass diese Gruppierungen jemals ernsthaft Interesse an solchen Verhandlungen hatten. Man hoffte, mit gemässigteren Gruppen einen Pakt schliessen zu können. Das ist nicht gelungen. Diese Leute sind so fanatisiert und unberechenbar. Ich habe dies während meiner Geiselhaft hautnah erlebt“, sagt Gabriella Barco Greiner. Beide verfolgen die Geschehnisse in Algerien und Mali. Sie sind überzeugt, dass allfällige noch in Geiselhaft befindliche Ausländer nur eine Chance zum Überleben haben, wenn man mit den Entführern verhandelt. „Nur dank Verhandlungen sind wir damals aus dieser schrecklichen Situation rausgekommen“, sagen die Greiners.

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