Das meistgetrunkene Bier der Schweiz wird in Rheinfelden im Kanton Aargau gebraut: Feldschlösschen. Doch absurderweise kostet in der örtlichen Coop-Filiale ein Harass Lagerbier 42 Prozent mehr als zehn Fussminuten nördlich des Rheins, bei der Edeka im deutschen Rheinfelden.

Noch grösser ist der Preisunterschied bei der Sorte Hopfenperle: Im Schweizer Rio-Getränkemarkt kostet ein Harass 45 Prozent mehr als bei Edeka. Unschlagbar günstiges Feldschlösschen-Bier gibt es auch in den Edeka-Filialen von Rheinfelden, Lörrach, Grenzach und Weil am Rhein.

Feldschlösschen verkaufe kleine Mengen ins grenznahe Ausland, bestätigt Sprecher Markus Werner. Beliefert werden Süddeutschland, das Elsass und Norditalien. Die Belieferung des süddeutschen Raums hat Feldschlösschen jedoch Anfang Jahr gekündigt, weil die Verkäufe unter den Erwartungen lagen.

Den Preisunterschied zu Deutschland begründet Werner mit der mehr als doppelt so hohen Biersteuer in der Schweiz. Zudem könne ein deutscher Detailhändler wegen der tieferen Lohn- und Mietkosten anders rechnen.

Letzte Woche hatte «Der Sonntag» berichtet, dass in der Schweiz nicht nur Importprodukte teurer sind als im Ausland, sondern auch etliche in der Schweiz hergestellte Produkte. Viele Leser haben sich mit weiteren Beispielen gemeldet, die auf einer Einkaufstour im grenznahen Gebiet überprüft wurden.

Den höchsten Schweiz-Zuschlag zahlen die Konsumenten für die Ovomaltine-Dose von Wander: plus 71 Prozent. Dies sei mit dem höheren Zuckeranteil von Ovomaltine in Deutschland zu erklären, sagt Wander-Sprecherin Helen Meier. In Deutschland sind auch Caotina, Ricola-Schachteln, Toblerone und zahlreiche Produkte von Calida günstiger.

Die Markenartikelhersteller wehren sich gegen den Vorwurf, sie zockten die Schweizer Kunden ab. Sie reichen den schwarzen Peter an die Detailhändler weiter: Diese würden die Preise festlegen, nicht die Lieferanten. «Der deutsche Handel hat ein deutlich tieferes Margenbedürfnis als der Detailhandel in der Schweiz», sagt Helen Meier von Wander.

Ricola und Calida sagen, vor der Euro-Krise seien die Preise in der Schweiz und in Deutschland ähnlich gewesen. Die Kosten in der Schweiz seien aber gleich geblieben, deshalb könnten sie die Preise nicht senken. Ricola-Sprecher Bernhard Christen sagt, als in der Schweiz produzierende Firma profitiere Ricola in keiner Form vom starken Schweizer Franken, sondern verliere wegen des schwachen Euros.

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