Nachdem die zypriotischen Banken am Donnerstag ihre Schalter wieder geöffnet hatten, wurden gestern neue Details für die Kunden der Bank of Cyprus bekannt. Demnach sollen 37,5 Prozent der Einlagen über 100 000 Euro in Aktienkapital gewandelt und somit faktisch eingezogen werden. Doch das ist nicht alles. Weitere 22,5 Prozent würden gesperrt, bis bekannt sei, ob die 37,5 Prozent ausreichten, sagte Bankmanager Mario Skandalis gemäss Agenturberichten. Der Rest würde vorerst «blockiert», um zu verhindern, dass Geld abgezogen würde. Schriftliche Informationen wurden für Montag in Aussicht gestellt.

Jetzt schon ist aber klar: Mittelfristig wird es zu einem massiven Abfluss von Kapital aus Zypern kommen. Zahlen der zypriotischen Nationalbank zeigen, dass Kunden aus dem europäischen Ausland allein im Februar bereits 18 Prozent ihrer Gelder transferiert hatten. Seit Anfang Jahr war es sogar 27 Prozent. Nebst Europäern sind es vor allem Kunden aus dem Osten, die ihr Geld auf zypriotischen Banken haben: Gemäss Zahlen von Moody’s sind es 31 Milliarden Euro aus Russland. Ukrainer sollen Medienberichten zufolge weitere 10 bis 20 Milliarden Euro in Zypern haben.

In der «Financial Times» berichtet der russische Geschäftsmann Yuri Shapiro am Strand von Limassol von seinem Besuch bei der konkursiten Laiki Bank: Von seinem siebenstelligen Vermögen seien gerade noch 94 000 Euro verfügbar.
Offenbar haben in Zypern auch Politiker noch kurz vor dem Beschluss über die Bank of Cyprus und die Laiki Bank Geld abgezogen, wie griechische Zeitungen berichten. Das zypriotische Parlament habe nun einen Bericht dazu in Auftrag gegeben. Dieser soll auch abklären, ob zypriotischen Politikern Kredite gestundet wurden, wie zu hören ist.

Daniel Kalt, Ökonom bei der UBS, erwartet einen Abfluss aus Zypern, wie er in einem Kommentar erklärt. «Man hat den stärksten Pfeiler der Wirtschaft geschwächt», sagt er. «Das wird sicher zu einem heftigen Exodus führen.» Ziel seien Länder mit einem Image der Stabilität. «In Europa ist die Schweiz bestimmt einer der sicheren Häfen», hält Kalt fest. Ferner könnten Bankenplätze im «Mittleren und Fernen Osten» profitieren.

Unklar ist, wie viel Geld bereits in die Schweiz geflossen ist. Im vergangenen Jahr nahmen Schweizer Banken insgesamt 42 Milliarden Franken entgegen, wie der Aussenhandelsstatistik zu entnehmen ist. Im letzten Quartal des Jahres waren es 5 Milliarden. Aktuelle Zahlen von 2013 gibt es nicht.

Zu reden gaben diese Woche auch die Aussagen von Jeroen Dijsselbloem, dem Präsidenten der Eurogruppe der Finanzminister. Seine Aussagen am Montag, wonach Zypern der Beginn einer neuen Zeit sei, in der die Anleger ihre Risiken wieder tragen müssten, erinnerte viele Finanzmarktakteure an die Mellon-Doktrin aus den 30er-Jahren. Finanzminister Andrew Mellon soll dem US-Präsidenten damals geraten haben, marode Industriebereiche zu liquidieren. Harte Arbeit würde den Wohlstand wieder zurückbringen. Nun wird befürchtet, dass nach Zypern auch Banken in anderen Ländern geopfert werden könnten. Zwar bemühen sich Politiker aus allen EU-Ländern seit Dijsselbloems Aussagen um Schadensbeschränkung. Dennoch verweist die CS in einem Bericht vom Mittwoch bereits auf steigende Finanzierungskosten für Banken in den europäischen Peripheriestaaten.

Und so mehren sich auch Spekulationen darüber, ob die Schweizerische Nationalbank wieder gegen eine Frankenaufwertung ankämpfen müsse. Laut aktuellen Statistiken haben die Devisenbestände in den ersten zwei Monaten des Jahres um 5 Milliarden Franken auf 504 Milliarden zugenommen. Die Hälfte davon dürfte allerdings über Wechselkurseffekte zu erklären sein.

Bisher waren an den Devisenmärkten kaum Umschichtungen zu beobachten, wie verschiedene Analysten berichten. «Es war erstaunlich ruhig», sagt Thomas Flury von der UBS. «Ich glaube nicht, dass die Nationalbank eingreifen musste.» Die Credit Suisse rät ihren professionellen Kunden, auf den Dollar zu spekulieren und sich in Franken zu verschulden.

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