Das vergangene Jahr war kein Jubeljahr für die Schweizer Banken. Das zeigt eine Auswertung der 31 wichtigsten Jahresabschlüsse, die seit Anfang Jahr publiziert wurden. Diese Banken weisen zusammen einen Reingewinn von 3,2 Milliarden Franken aus. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 69 Prozent. Damit befinden sich die Schweizer Banken weit unter dem Niveau, das sie einst vor Ausbruch der Finanzkrise hatten: Noch 2006 wiesen die gleichen Banken zusammen einen Gewinn von 29 Milliarden Franken aus. Seither verloren sie 89 Prozent. Und sie werden sie wohl nie mehr zurückgewinnen.

Noch haben zwar nicht alle Banken ihre Jahreszahlen vorgelegt. Mit EFG, BNP Paribas oder der Berner Kantonalbank fehlen auch noch ein paar Schwergewichte. Doch sie dürften am Bild nicht mehr viel verändern: Schätzungen des «Sonntags» zufolge dürften die fünfzig wichtigsten Banken 2012 auf einen gemeinsamen Reingewinn von rund 4,5 Milliarden Franken kommen.

Die Verlierer sind die beiden Grossbanken, die 2006 zusammen noch 24 Milliarden Franken Gewinn verbuchten. 2012 kommen sie auf einen Verlust von gut einer Milliarde Franken. Ein Grund dafür: Beide Banken räumen mehr oder weniger intensiv in ihren Investmentbanken auf, da die Gewinne dort ausblieben, die Risiken aber wegen der neuen Eigenkapitalvorschriften immer weniger getragen werden können. So weit die Auswirkungen der Finanzkrise, welche auch andere global tätige Banken erlebten.

Die Abschlüsse 2012 zeigen aber auch, dass nicht nur die Grossbanken abspecken müssen. Da die Finanzkrise in der Schweiz nahtlos von der Bankgeheimniskrise abgelöst wurde, leiden auch Banken, die im internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft tätig sind. Die Bank Julius Bär etwa erreicht mit ihren knapp 298 Millionen Franken Gewinn längst nicht mehr die 672 Millionen von 2006 oder gar 940 Millionen Franken von 2007. Ähnlich sieht es auch bei der Genfer Vermögensverwaltungsbank Union Bancaire Privée aus, deren Gewinn von 413 auf 175 Millionen Franken sank, oder bei der Zürcher Bank Vontobel, deren Gewinn statt 260 Millionen noch 131 Millionen Franken betrug.

Die Erosion des Bankgeheimnisses für Steuerflüchtlinge hat dazu geführt, dass die Margen in der Vermögensverwaltung geschrumpft sind. Einst waren ausländische Kunden bereit, einen Aufpreis für das sichere Versteck in der Schweiz zu bezahlen. Doch dieses Geheimnis ist so gut wie Vergangenheit. Diese Woche hat der Bundesrat einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der die Banken dazu verpflichtet, unversteuerte Gelder abzulehnen. Noch vor wenigen Jahren wäre das unvorstellbar gewesen. Bereits haben einzelne Banken, darunter die UBS, ihren Kunden eine umfassende Deklarationspflicht auferlegt.

Zu den Gewinnern, oder zumindest zu den stabilen Finanzinstituten, zählen die Staatsbanken. So sind die Gewinne der Kantonalbanken, die bereits publiziert haben, seit 2006 um lediglich einen Fünftel geschrumpft. Die Postfinance konnte sogar mächtig zulegen. Gemeinsam weisen die staatlich kontrollierten Banken fürs vergangene Jahr 2,8 Milliarden Franken Gewinn aus – oder rund 88 Prozent des bisher insgesamt verbuchten und von der UBS arg belasteten Gewinns der Schweizer Banken.

Ganz anders sieht das Bild jenseits des Atlantiks aus. Dort hat die offizielle Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) diese Woche Zahlen veröffentlicht, denen man die Finanzkrise nicht mehr ansieht. 141 Milliarden Dollar Gewinn haben die US-Banken gemeinsam im vergangenen Jahr ausgewiesen. Das liegt nur unwesentlich unter den Werten des Vorkrisenjahrs 2006, als dieselben Banken netto noch 145 Millionen Dollar verdienten.

Entsprechend grosszügig sprudeln an der Wall Street auch wieder die Boni. Im Vergleich zum Vorjahr hätten die Zahlungen insgesamt um 8 Prozent zugenommen und lägen nun bei 20 Milliarden Dollar, berichtet die FDIC. Auch die Schweizer Grossbanken überweisen einen grossen Teil der Gelder in ihren Bonustöpfen an die Banker in Amerika. Informationen des «Sonntags» zufolge beträgt dieser Anteil bei der UBS rund 50 Prozent, offiziell weist die Bank jedoch keine regionale Verteilung aus.

Die Schweizer Banken stehen vor einem Dilemma. Einerseits sind sie gezwungen, ihren Starbankern Angebote zu machen, die ähnlich luxuriös sind wie jene der US-Banken, um sie nicht an diese zu verlieren. Andererseits weht ihnen in Europa ein steifer Wind in Form immer strengerer Gesetze und Eigenkapitalvorschriften entgegen, die es verunmöglichen, zu viel Geld auszuschütten.

Eine Folge davon sind immer komplexere Bonussysteme, mit denen gleichsam versucht wird, die Bilanzen von Risiken zu befreien. Mit einem dieser Modelle ist die Credit Suisse eben erst auf die Nase gefallen. Sie musste diese Woche bestätigen, dass ihr Ende 2011 lanciertes Programm PAF2 nicht mit den aufsichtsrechtlichen Regeln von Basel III kompatibel ist. Die CS beabsichtige mit PAF2, Anlagerisiken in das Bonusvehikel auszulagern und über eine Drittpartei abzusichern. Gleichzeitig aber stellte sie dieser Partnerfirma Kredite zur Verfügung, womit, so die Kritik, die Risiken wieder in die eigene Bilanz zurückfanden. Offenbar wusste die Credit Suisse bereits Ende 2012, dass sie damit nicht mehr durchkommen würde. Ob die Problematik auch beim unlängst angekündigten, neuen Bonusprogramm existiert, sagt die Bank nicht.

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