Philipp Hildebrand will offenbar auswandern – zumindest vorübergehend. Der Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand strebt eine einjährige Gastprofessur an der Universität Harvard oder Oxford an. Das erzählte er vergangene Woche Reto Lipp, Journalist des Schweizer Fernsehens.

Zufällig trafen Lipp und ein Redaktionskollege Hildebrand in einem Davoser Restaurant abseits des WEF-Geländes. Dabei äusserte sich der Ex-Notenbanker entsprechend zu seinen Zukunftsplänen. Ob er mit einer der beiden renommierten Universitäten bereits in Verhandlungen steht, sagte er jedoch nicht.

Hildebrand besuchte die beiden Elite-Universitäten vor knapp zwanzig Jahren. 1993 hat er einen Postgraduierten-Studiengang am Center for International Affairs der Harvard University absolviert. An der University of Oxford hat er 1994 in internationalen Beziehungen doktoriert.

Hat der Doktor der Politologie also bereits einen Ruf an die amerikanische Universität Harvard oder die britische Universität Oxford erhalten? Sein Sprecher Jörg Denzler sagt dazu lediglich: «Philipp Hildebrand prüft derzeit verschiedene Optionen zu seiner beruflichen Zukunft.» Zu gegebenem Zeitpunkt werde man informieren.

Würde der 48-Jährige einen Lehrauftrag an einer der beiden Universitäten annehmen, befände er sich in guter Gesellschaft. Axel Weber, designierter UBS-Verwaltungsratspräsident, verpflichtete sich nach seinem Rücktritt als Präsident der Deutschen Bundesbank ebenfalls für ein Jahr als Gastprofessor – an der Universität Chicago. Noch bis Mai lehrt und forscht er an der Hochburg der staatskritischen Monetaristen. Seine erste Vorlesung startete im Herbst unter dem Titel «Central Banking: Theories and Facts».

Dazu lud Weber gemäss Programm mehrere Gäste «der globalen Zentralbanken-Community» ein. Auch der deutsche Ex-Aussenminister Joschka Fischer (Gastprofessur an der Princeton University) sowie der ehemalige spanische Ministerpräsident José Maria Aznar (Assistenzprofessor an der Georgetown University) lehrten nach ihren Rücktritten an Universitäten.

WEF-Teilnehmer hielten vergangene Woche einen Aufenthalt Hildebrands in Davos für unvorstellbar. Kaum jemand vermutete, dass sich der gestürzte Notenbanker in die Nähe des Davoser Kongresszentrums wagen würde – wohl von seiner neu gekauften Ferienwohnung in Klosters aus. Hildebrand konnte sich dem Sog des WEF jedoch nicht entziehen. Ohne öffentlich in Erscheinung zu treten, traf er sich in Davos mit alten Bekannten.

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