Die Basler Kantonalbank (BKB) fiel in Zürich gleich mehrfach auf die Nase: Nicht nur akquirierte die dortige Filiale im grossen Stil US-Kunden, die bei der UBS nicht mehr erwünscht waren, und katapultierte die Staatsbank damit in die Mitte des US-Steuerstreits, auch wurden Kunden der mutmasslichen Betrüger von ASE dort betreut. Die Bank hat denn auch angekündigt, aufzuräumen.

Ein Teil der Banker, die bei der BKB entlassen oder wegkomplimentiert wurden, haben nun bei der Zürcher Niederlassung der liechtensteinischen VP Bank Unterschlupf gefunden. Dies geht aus dem Handelsregister hervor, wo zwei frühere Kantonalbanker bei der VP Bank eingetragen wurden; einer von ihnen als stellvertretender Direktor. BKB und VP Bank bestätigen denn auch den Wechsel eines Teams von sechs Bankern.

Ein Name überrascht ganz besonders: Neuer Mitarbeiter der VP Bank ist auch Stefano L., der bei der BKB einst zum Leitungsgremium der Zürcher Filiale unter Hans Ringger gehörte. L. verliess die Kantonalbank alles andere als freiwillig, war er doch bereits seit August 2011 beurlaubt, weil er massgeblich dafür mitverantwortlich war, dass die BKB ins Visier der US-Steuerbehörden geriet.

L. betreute amerikanische Schwarzgeldkunden, die bei der UBS nicht mehr erwünscht und von externen Vermögensverwaltern beraten wurden. Dies geht aus der Anklageschrift gegen den früheren UBS-Banker Martin Lack hervor, in der «Swiss Banker» L. die Rolle eines Co-Conspirators zugeschrieben wird, der den US-Kunden half, «undeklarierte Konten bei der Kantonalbank zu eröffnen und zu führen». Laut Anklageschrift hat L. noch im April 2009 ein Konto auf den Namen eines Spaniers eröffnet, obwohl er wusste, dass das Geld von einem Amerikaner stammte, der zuvor von der BKB abgelehnt worden war. Ebenfalls im Frühling 2009 eröffnete L. ein Konto für einen weiteren US-Kunden, der zuvor bei der UBS betreut wurde.

Da die BKB dank einer Sonderbewilligung bereits Akten an die USA übergeben hat, dürften die Namen der neuen VP-Banker den amerikanischen Behörden bekannt sein. Heikel für die VP Bank. Diese sieht in der Übernahme dieser Leute dennoch kein Problem. Sprecherin Andrea Steriti sagt, die Bank habe mehr als 50 Jahre Erfahrung im Umgang mit Kunden, die von externen Beratern betreut werden. Man wisse, wie solche Risiken zu managen seien. Im Verwaltungsrat der VP Bank sitzt auch Wirtschaftsprofessor Teodoro Cocca. Dieser warnte noch vor einer Woche in der «SonntagsZeitung» mit Blick auf die expandierende Bank Notenstein vor dem Geschäft mit ausländischen Kunden. Eine Bank müsse jeden Kunden einzeln durchleuchten, das sei teuer. Kontrollen, die bei der BKB in Zürich lange vernachlässigt wurden.

Die BKB hat ihre ehemaligen US-Kunden mehrheitlich abgestossen. «Bis auf Einzelfälle» seien diese Personen nicht mehr bei der Bank, sagt Pressesprecher Mats Bachmann. Die Gelder dieser Kunden seien zu anderen Banken transferiert worden, teilweise ins Ausland, teilweise in die Schweiz. Unklar ist, wie viele Kundengelder über die wechselnden Berater zur VP Bank geflossen sind oder noch transferiert werden. Man mache keine spezifischen Angaben zu Kunden und Kundengeldern, sagt Pressesprecherin Steriti.

Eine andere Aufräumaktion läuft noch: Am 5. Juni kündigte die BKB an, ihre in Zürich domizilierte Abteilung für strukturierte Produkte nach Basel zu holen und mittelfristig aufzulösen. Sieben Händler und Verkäufer betrieben für die BKB dieses Geschäft. Jetzt gingen erste Kündigungen raus: Von zwei Angestellten der Zürcher Handelsabteilung hat sich die BKB am Donnerstag getrennt, wie Bachmann bestätigt.

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