Es sind verstörende Fotos, von nackten kleinen Kindern, die in den unwürdigsten Positionen vor allem Männer erregen sollen. Es braucht kein besonderes Fachwissen, um sich zu den minderjährigen Sexobjekten durchzuklicken. Solche Bilder konsumieren denn auch zunehmend Jugendliche. «Wir schätzen, dass 3 bis 15 Prozent der Kinderpornografienutzer Jugendliche sind», sagt die Zürcher Jugendforensikerin Cornelia Bessler. Unter ihrer Leitung befasste sich ein Forscherteam mit der noch wenig untersuchten Problematik.

Für eine Schweizer Bestandsaufnahme sahen die Forensiker und Psychiater Untersuchungsakten von mehr als 250 Minderjährigen zwischen 10 und 18 Jahren durch, die wegen des Konsums von Kinderpornografie verurteilt wurden. Die Resultate der Studie liegen der «Schweiz am Sonntag» vor.
Das Fazit: Bei den verurteilten Minderjährigen handelt es sich um eine heterogene Gruppe von meist «sehr jungen» Tätern.

Der grösste Unterschied zeigte sich vor allem beim Nutzungsverhalten. Während ein Teil der Jugendlichen Kinderpornografie-Seiten nur wenig nutzte und eher per Zufall oder aus Neugierde darauf gestossen war, hatte sich eine zweite Gruppe sehr oft und lange auf den Portalen aufgehalten.

«Bei den seltenen Nutzern würde wahrscheinlich eine Aufklärung über ethische und rechtliche Belange genügen», ist Jugendforensikerin Bessler überzeugt. Bei den Intensivnutzern allerdings sei eine psychiatrische Abklärung unumgänglich. Hier könnte sich bereits eine pädosexuelle Neigung abzeichnen. Für Bessler steht fest: «Die Sexualität entwickelt sich im Jugendalter, und die sexuelle Präferenz ist in diesem Alter meist noch nicht abschliessend festgelegt.»

Hinzu kommt: Oft seien sich Jugendliche nicht bewusst, dass sie sich mit dem Herunterladen und Verbreiten von illegaler Pornografie strafbar machen.

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