VON OTHMAR VON MATT UND FLORENCE VUICHARD

Noch gestern rätselten alle: Will Unternehmer Johann Schneider-Ammann überhaupt Bundesrat werden? Die FDP des Kantons Bern forderte ihren Nationalrat zwar öffentlich zur Kandidatur auf, doch FDP-Präsident Fulvio Pelli hielt den Ball vor den Medien flach: «Herr Schneider-Ammann sitzt in China und kann keine Antwort geben.»

Doch Johann Schneider-Ammann steht für den Bundesrat zur Verfügung. Davon ist BDP-Präsident Hans Grunder überzeugt. Knapp eine Stunde bevor Hans-Rudolf Merz seinen Rücktritt verkündete, telefonierte der Nationalrat mit Schneider-Ammann. Dieser liess im Gespräch durchblicken, dass er eine Wahl der Bundesversammlung nicht ablehnen würde.

Grunder und Schneider-Ammann kennen sich seit Jahrzehnten. Schneider-Ammann wuchs in Affoltern BE auf, dem Nachbardorf von Hasle-Rüegsau, wo Grunder lebt. Beide sind Unternehmer, beide sind Emmentaler, beide haben ähnliche Wertvorstellungen. Sie tauschten sich während der Finanz-, UBS- und USA-Krise oft aus und diskutierten dabei auch über eine Bundesratskandidatur von Schneider-Ammann.

Für Grunder ist der Werkplatz-Vertreter der absolute Wunschkandidat. «Einzelkämpfer, die sich politisch profilieren wollen, sind heute nicht gefragt», betont Grunder. «Es braucht jetzt jemanden, der eine hohe Glaubwürdigkeit hat, lösungs- und konsensorientiert und im Interesse des Landes arbeitet und den Bundesrat zu einem Team machen kann.» Das Wohl der Schweiz als Gesamtes sei Schneider-Ammann «extrem wichtig». Deshalb sei dieser «zu 200 Prozent genau die Person, die es jetzt braucht».

Als Präsident von Swissmem, dem Verband der Maschinenindustrie, habe Schneider-Ammann zudem bewiesen, wie gut er mit den Sozialpartnern zusammenarbeite. «Schneider-Ammann ist ein echter Patron», sagt Grunder. «Einer, der auch den Mut hatte, die Banken zu kritisieren, als sie übermarchten.» Schneider-Ammann ist ein äusserst erfolgreicher Unternehmer. 1984 hatte er den Chefposten des Strassenbaumaschinen-Herstellers Ammann in Langenthal übernommen. Heute ist die Ammann Group ein globaler Konzern mit weltweit 3400 Angestellten. Und, entscheidend für ein allfälliges Bundesratsmandat: Schneider-Ammann hat seine Nachfolgeregelung bereits gut vorbereitet. Sein Sohn Christian, der sich zurzeit in den USA weiterbildet, ist dafür vorgesehen.

Um einen Unternehmer vom Format eines Schneider-Ammann in die Regierung zu bekommen, braucht es allerdings ein spezielles Prozedere: Er muss berufen werden. Die SVP führte dies 2003 mit ihrem eigenen global erfolgreichen Unternehmer vor: Sie bekniete Christoph Blocher. «Für Johann Schneider-Amman ist wichtig, dass er geholt wird», sagt Grunder. «Als erfolgreicher Unternehmer kann er sich nicht selbst ins Spiel bringen.» Gefordert sei jetzt die FDP, betont Grunder. «Sie muss auf Schneider-Ammann zugehen, ihn anfragen.» Grunder geht noch weiter. Die FDP-Evaluierungsgruppe müsse dafür sorgen, dass Schneider-Ammann optimale Voraussetzungen habe bei der internen Ausmarchung. «Der FDP könnte doch nichts Besseres passieren als ein Bundesrat Johann Schneider-Ammann.»

Gemäss einem Mitglied des FDP-Parteivorstands überlegt sich Schneider-Ammann die Risiken sehr genau, die eine Bundesratswahl in sich bergen. Das erste: von der Fraktion nicht nominiert zu werden. Das zweite: nicht gewählt zu werden von der Bundesversammlung. Und das dritte: nach 2011 abgewählt zu werden, weil die FDP stark verliert. «Er hatte immer Angst nicht mehr wiedergewählt zu werden in den Nationalrat», sagt ein Parteimitglied. «Sehr wahrscheinlich hat er auch Angst, bei einer Bundesratswahl zu unterliegen.» Das Vorstandsmitglied hofft, dass sich Schneider-Amman davon nicht abschrecken lassen wird.

Johannes Schneider-Ammann wie Karin Keller-Sutter seien sehr starke Persönlichkeiten, sagt FDP-Präsident Fulvio Pelli dazu. «Das zeigt, dass die FDP hervorragende Kandidaten hat. Und wir haben bei der Wahl des Nachfolgers von Hans-Rudolf Merz die besten Karten, wenn unsere Kandidaten stark sind.»

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