UMFRAGE: ME/YCA/SA/BAT

Hans Saner, Philosoph
«An den Folgen der Steuer-initiative verarmt niemand. Aber durch sie wird das Land ein wenig gerechter. Also muss man für sie sein.»


Klaus Merz, Schriftsteller
«Spätestens nach den vollmundigen Ankündigungen einiger Persönlichkeiten, die uns kurz und salopp ihre Flucht und den Abzug ihres Geldes aus unserem Land androhten, wurde mir vollends klar, wie wichtig die Annahme der Steuerinitiative für die Funktion und die Würde unseres Gemeinwesen tatsächlich ist: Wenn wir uns nämlich zunehmend dem Diktat einiger schwerreicher «Plakatierer» unterwerfen, könnten uns eines Tages nicht nur die Batzen in der eigenen Tasche, sondern auch die Luft zum freien Atmen unverhofft ausgehen.»

Peach Weber , Entertainer
«Ich weiss nicht, ob die Initiative das Problem löst und ei ne gerechtere Situation bringt. Aber es muss endlich etwas geschehen gegen diesen idiotischen Steuer-Wettbewerb. Hat noch niemand gemerkt, dass jeder Kanton, der einen guten Steuerzahler anlockt, diesen einem andern Kanton wegnimmt. Es ist wie bei der Grundversicherung, wo sich die Kassen mit Millionenaufwand die guten Risiken abjagen. Unter dem Strich bringt es nichts als Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Von mir aus gesehen sollte man den Steuerwettbewerb in einer Bandbreite von höchstens 15 bis 20 Prozent gestatten.»

Beat Schlatter, Komiker
«Steuern zahlt niemand gern. Doch wir brauchen sie wie das Kleinkind die Mutterbrust. Es ist eine Tatsache, dass ein kleiner Aufpreis Leute mit einem hohen Einkommen weniger schmerzt als solche, die um ihr täglich Brot kämpfen müssen. Im Film «Monsieur Ibrahim und die Blume des Koran» sagt der wunderbare Omar Sharif in der Rolle des Ibrahim zum armen Jungen: «Was du gibst, das gehört dir auf ewig. Was du behältst, ist auf ewig verloren.»

Franziska Tschudi, Mitinhaberin, VR-Delegierte der Wicor Gruppe
«Ich sage überzeugt Nein. Die Initiative würde Vermögende aus der Schweiz vertreiben und Neuzuzüger vergraulen, die ihr Geld dann eben nicht in der Schweiz ausgeben oder investieren. Sie würde die Steuern für den Mittelstand erhöhen und den Wohlstand der gesamten schweizerischen Bevölkerung längerfristig mindern. Sie zwingt auch uns mittelständische Unternehmer, mehr Geld dem Staat abzuliefern, anstatt in die Firma und in Arbeitsplätze zu investieren. Kann der Staat wirklich besser mit dem Geld umgehen als sie? Ich denke: Nein.»

Thomas Matter, Unter nehmer
«Ich lehne die Initiative klar ab. Sie wäre der Anfang vom Ende des Steuerwettbewerbs, das heisst kein Kanton darf es mehr besser machen, und alle zahlen mehr Steuern. Die SP beschimpft jene als Abzocker, die für 90 Prozent der Steuern aufkommen. Da müssen wohl auch Unternehmer bald befürchten, dass sie nackt auf Plakaten abgebildet werden. Würde die Initiative angenommen, würde ich weiter für attraktivere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft kämpfen, zum Beispiel mit einer Initiative.»

Pascal Broulis, Waadtländer Finanzdirektor
«Ich habe schon Nein gestimmt. Die Steuergerechtigkeitsinitiative würde die Westschweizer Kantone massiv benachteiligen. Die Zentralschweizer Kantone würden noch mehr die Mehreinnahmen aus dem Finanzausgleich zur Senkung anderer Steuern nützen. So würde die Initiative die Ungleichheit und die Steuerkonkurrenz zwischen den Kantonen noch verstärken. Eine Harmonisierung der Steuern bringt viele Nachteile. Nur die Nähe zum Bürger garantiert, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Die Besteuerung ist nie richtig, sie muss aber gerecht sein, Gleichheit garantiert sie nicht.»

Gerold Bührer , Präsident Economiesuisse
«37 Prozent der börsenkotierten Schweizer Unternehmen befinden sich ganz oder mehrheitlich in Familienbesitz. Die SP-Steuerinitiative trifft diese Familienunternehmer und die damit zusammenhängenden Arbeitsplätze wegen der Vermögenssteuer viel härter als die so genannten Abzocker. Die fehlkonstruierte Initiative ist deshalb abzulehnen.»

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