Wer knackt den 140-Millionen-Franken-Jackpot? Spieleinnahmen in dieser Höhe kann der Betreiber des künftigen Casinos in Zürich erwarten – Jahr für Jahr. Bis jetzt lief das Gerangel der fünf Bewerber gesittet ab, doch nun kommt es zum Eklat. Es begann mit einem Brief des Schweizer Casino-Verbandes. Darin wirft die Branchenorganisation dem österreichischen Spielautomaten-Hersteller Novomatic vor, seine Apparate liessen sich mit einer Tastenkombination manipulieren. Russische Gauner hätten so in den Casinos Baden und Pfäffikon viel Geld abgeräumt. Radio DRS machte den Brief vorgestern publik.

Pikant sind Adressat und Zeitpunkt der Vorwürfe: Der Milliardenkonzern Novomatic steht hinter drei der fünf Zürcher Casino-Bewerbungen. Und schon in wenigen Wochen entscheidet der Bundesrat auf Empfehlung der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK), wer den Zuschlag bekommt.

Für den Berner Anwalt Peter Bratschi, der die Novomatic-Kandidatur als Verwaltungsrat der Casino Zürich AG vertritt, ist nach dem Brief klar: «Es handelt sich um eine übereilte und einseitige Stellungnahme.» Er habe beim Verband interveniert, denn «die Gebote der Fairness werden nicht mehr eingehalten». Die Automaten seien «von der ESBK homologiert und zertifiziert». Und weiter: «Warum die Russen abnormale Gewinnsequenzen herausgespielt haben, ist unklar. Es ist in keiner Weise belegt, die Novomatic-Apparate seien knackbar.»

Die Bewerbung der Casino Zürich AG gilt als aussichtsreich; sie wird von der Stadt und dem Kanton Zürich favorisiert – wohl auch darum, weil sie verspricht, jährlich bis zu 3 Millionen Franken für Kultur und Tourismusförderung zu spendieren. Peter Bratschi vermutet «gewisse Konkurrenten» hinter den Manipulationsvorwürfen. Er weist darauf hin, dass der Verbandspräsident im Spital sei und deshalb mit Peter Probst nun der Vizepräsident die Leitung innehabe: «Herr Probst hat als Vertreter des Casinos Baden eigene Interessen.» Denn auch das Grand Casino Baden bewirbt sich um die Zürcher Lizenz. Der Verband kontert: «Wir verhalten uns jederzeit neutral», sagt der Geschäftsführer des Verbandes, Marc Friedrich. Und der Brief gegen Novomatic? «Zu internen Schreiben äussere ich mich nicht.»

Auch die Aufsichtsbehörde, die Schweizer Spielbankenkommission, hat sich eingeschaltet. Direktor Jean-Marie Jordan: «Der ESBK liegen Anhaltspunkte vor, wonach sich gewisse Automaten nicht wie gewöhnlich verhalten haben.» Interne und externe Experten würden die Sache überprüfen. «Wir warten auf Informationen von Novomatic, dem Hersteller dieser Automaten», so Jordan. Zu den möglichen Folgen für die Konzessionsvergabe will er nichts sagen.

In einer delikaten Situation befindet sich das Grand Casino Baden, heute die grösste und erfolgreichste Spielbank im Land (Spielertrag: 105 Millionen Franken). Die Badener sind zugleich Partner und Konkurrent der österreichischen Novomatic: Das Grand Casino ist bei der Kandidatur «Spielbank Zürich AG» am Beatenplatz federführend, hat aber mit 19,5 Prozent die Novomatic mit im Boot.

Und dann gibts noch die Bewerbung «City Casino Zürich AG» bei der Sihlporte, wo Baden ebenfalls mit der Novomatic zusammenspannt. Doch bei diesem zweiten Projekt sind sich die Partner offenbar nicht einig. Novomatic-Vertreter Peter Bratschi sagt: «Es gibt eine gemeinsame Absichtserklärung mit den Badenern, mehr nicht. Die Badener möchten die operative Leitung – aber das sind ihre Vorstellungen.»

Der CEO des Grand Casinos Baden, Detlef Brose, bleibt zuversichtlich, dass er mit dem von ihm präferierten Projekt Beatenplatz gewinnt. Die Vorfälle mit den Russen und die Diskussionen mit Automaten-Hersteller Novomatic würden sich nicht negativ auswirken: «Wir haben nach den Vorfällen bewiesen, dass wir schnell reagieren können, und wir informierten auch sofort die ESBK. Wir sind prädestiniert, das künftig grösste Casino der Schweiz zu führen.»

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