«Schawinski» verliert Zuschauer

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Seit Jahresbeginn geht die Quote nach unten – für die höchste sorgte Christoph Blocher.

Zuletzt sparte Roger Schawinski nicht mit Superlativen. Bei ihm sei der «faszinierendste Fotograf der Schweiz», der «sexiest Fotoman alive», schwärmte Schawinski vergangenen Montag von Alberto Venzago, dem Gast seiner Talk-Sendung.

Ganz so euphorisch war das Publikum allerdings nicht. Lediglich 68 000 Personen sahen die Sendung, was einem Marktanteil von 10 Prozent entspricht. Das ist der tiefste Wert in diesem Jahr und einer der tiefsten, seit «Schawinski» vor rund zwei Jahren beim SRF auf Sendung ging.

Kaum besser war es eine Woche davor. Kriegsreporter Kurt Pelda sorgte für einen Marktanteil von 10,8 Prozent. «Für Gäste aus dem Kulturbereich interessiert sich vor allem ein Spartenpublikum», sagt Schawinski. Das schlage sich auch auf die Quoten nieder. Doch das waren nicht die einzigen negativen Ausreisser. Seit Jahresbeginn geht der Zuschauer-Trend nach unten (siehe Grafik). Ähnlich sieht es beim Marktanteil aus.

«Die Quote allein ist nicht alles», sagt Schawinski. Relevanz und eine gute Mischung seien genauso wichtig. Ansonsten müsste er sich auf streitbare SVP-Politiker und Stars aus dem Showbusiness beschränken. Solche Gäste sorgen regelmässig für gute Einschaltquoten. SVP-Nationalrat Christoph Blocher erreichte dieses Jahr mit 24,4 Prozent den höchsten Marktanteil bei «Schawinski», Ex-Miss-Schweiz Melanie Winiger mit 182 000 Personen die meisten Zuschauer. Doch auf Dauer wäre Schawinski mit nur diesen Gästen nicht glücklich. Auch das SRF sieht den Mix der Protagonisten positiv. Die Sendung wolle mit einer überraschenden Gästeauswahl selber Themen setzen, heisst es.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Quote zwar leicht höher, das liegt aber auch daran, dass mit der neuen Messmethode seit Januar die zeitversetzte Nutzung berücksichtigt wird.

Schawinski ist weiterhin überzeugt von seinem Konzept. «In einer Sendung mit nur einem Gesprächspartner sind kontroversere Diskussionen möglich als in einer grossen Runde», sagt er. Eine Zurückhaltung spüre er allerdings bei den Frauen. Dieses Jahr liegt der Anteil bei 25 Prozent. «Da haben wir zuletzt gut aufgeholt.»

Weitere Faktoren beeinflussen die Quote. Zum Beispiel die Attraktivität des Vorprogramms oder was auf anderen Sendern läuft. «Gegen Roger Federer kommt man nur schwer an», sagt Schawinski. Ausserdem zählt die Aktualität. Schweizer Grossereignisse wie der Rücktritt des damaligen Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand sind selten, bescheren aber fast allen Sendungen top Einschaltquoten. So verwundert es nicht, dass der nächste Gast wieder aus aktuellem Anlass kommt: Cédric Wermuth wird morgen mit Schawinski über die 1:12-Initiative streiten – und soll für gute Quoten sorgen.

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