Ihr Onkel Wolfgang Schäuble kämpft zurzeit als Bundesfinanzminister für eine Lösung im Steuerstreit zwischen Deutschland und der Schweiz. Derweil geniesst eine seiner Nichten die Vorteile der Schweiz: besserer Lohn, höhere Lebensqualität – und tiefere Steuern. Die 33-Jährige lebt seit einigen Jahren im Kanton Zürich, wie Recherchen des «Sonntags» zeigen. Die junge Mutter war bis vor kurzem für eine Unterorganisation des Weltfussballverbands Fifa in Zürich tätig. Ihr prominenter Onkel sass denn auch im Aufsichtsrat des Organisationskomitees der Fussball-WM 2006 in Deutschland. An ihrem damaligen Arbeitsort in Zürich fiel die Nichte damit auf, dass sie mehrfach das Schweizer Steuersystem lobte. Sie sei lieber hier, «als in Deutschland vom Staat ausgenommen zu werden», liess sie verlauten.

Dem «Sonntag» gelang es, die Nichte des CDU-Bundesfinanzministers zu erreichen. Sie wollte sich jedoch nicht dazu äussern, weshalb sie ihrer Heimat den Rücken gekehrt hat. Wenn sie Journalisten Auskunft gebe, werde ihr der Onkel «aufs Dach steigen».

Wolfgang Schäuble versucht, sich im Steuerstreit als besonnene Stimme ein Gehör zu verschaffen, und wirbt bei der Opposition für Zustimmung zu dem Abkommen. Der «Neuen Osnabrücker Zeitung» sagte er: «Ich bin froh, dass die Schweiz trotz ihrer Rechtslage und trotz ihrer Traditionen so weit gegangen ist. Es gibt wirklich keinen Anlass für Hochnäsigkeit von deutscher Seite.»

Schäubles Nichte ist eine von 80 100 Deutschen, die per Februar im Kanton Zürich gemeldet waren. Mehr als 260 000 sind es in der ganzen Schweiz. Für Deutsche ist die Schweiz das Auswandererziel Nummer 1.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!