Rund 5150 Kilometer umfasst das Schienennetz in der Schweiz – davon sind 3011 Kilometer im Besitz der SBB, die übrigen 2139 Kilometer gehören den Privatbahnen. Geht es nach einer Arbeitsgruppe des Bundes, sollen nun Teile des Privatbahn-Netzes von den SBB übernommen werden. Dies zeigen Recherchen der «Schweiz am Sonntag».

Unter den Privatbahnen hat die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) mit 449 Kilometern das längste Netz. BLS-Chef Bernard Guillelmon sagt klipp und klar: «Die BLS hält eine Übertragung aller Infrastrukturen – in unserem Fall der BLS Netz AG – zur SBB für völlig inakzeptabel und lehnt einen solchen Schritt strikt ab.» Ähnlich äussert sich die viertgrösste Privatbahn, die Südostbahn (111 km).

Nicht betroffen von den Plänen wären die Rhätische Bahn (384 km) und die Matterhorn-Gotthard-Bahn (144 km). Bei beiden handelt es sich um Schmalspurbahnen, deren Infrastruktur weiterhin von diesen Bahnen im Alleingang betrieben werden soll.

Ende April wird die Arbeitsgruppe «Organisation Bahninfrastruktur» ihren Bericht vorliegen. Dies bestätigt deren Präsident, der Ex-SBB-Personenverkehrschef Paul Blumenthal. Inhaltlich will er sich vorab nicht zu den Ergebnissen äussern, er sagt einzig, es würden «differenzierte Lösungen» vorgeschlagen.

Die Arbeitsgruppe reagiert auf die von der EU vorangetriebene Bahnliberalisierung und kommt zum Schluss: Die Marktöffnung führt dazu, dass Bahnen eine kritische Grösse brauchen, um im Wettbewerb bestehen zu können.

SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi sagt: «Eine Übernahme der Normalspurinfrastruktur durch die SBB würde die Effizienz verbessern.» Konzernchef Andreas Meyer betont, die SBB wären bereit und imstande, die Aufgabe zu übernehmen: «Schon heute arbeiten wir relativ eng mit anderen Bahnen zusammen: Die Betriebszentralen müssen ähnlich gebaut werden, und die Einsatzsysteme im Notfall sind fast identisch.» Bereits vor zehn Jahren plante der Bund, die Privatbahn-Infrastruktur den SBB zu übertragen, scheiterte damit jedoch.

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