Die Bundesbahnen haben eine neue «Energiebeschaffungsstrategie» verabschiedet. «Sie hat klar zum Ziel, den Atomstromanteil von heute 25 Prozent kontinuierlich zu reduzieren», sagt Konzernchef Andreas Meyer im Interview. «Unser Ziel ist, aus der Atomkraft auszusteigen.» Schon heute, betont Meyer, «fahren wir zu 75 Prozent mit erneuerbaren Energien, was eine enorme Leistung ist». Dieser Anteil, so die Absicht, soll auf 100 Prozent erhöht werden. Wann es so weit sein könnte, kann Meyer nicht sagen. Der SBB-Chef ist ein Energieexperte: Er führte einst den fünftgrössten Energieversorger Deutschlands.

Andreas Meyer hofft, «dass durch die tragischen Geschehnisse in Fukushima die erneuerbaren Energien in der Schweiz mehr Rückenwind erhalten und somit auch günstiger werden». Zudem sollten die externen Kosten von Kraftwerken und des Verkehrs, wie etwa der CO -Ausstoss, den Produktionskosten voll angerechnet werden. Denn: «Mit dem Einbezug der Umweltbelastungen werden erneuerbare Energien vergleichsweise günstiger.» Die Stromkosten machen etwa vier bis fünf Prozent des Billettpreises aus.

Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, wollen die SBB die Leistungen ihrer Wasserkraftwerke steigern. Meyer sagt zudem, auch Wind könne möglicherweise einen Beitrag zur Stromversorgung der SBB leisten. Die beste Massnahme sei aber das Energiesparen: «Wir wollen bis 2015 10 Prozent weniger Strom verbrauchen, als es unsere Verbrauchsprognosen für dieses Jahr vorsehen.» 2010 hätten die SBB durch ihr Effizienzprogramm bereits 119 Gigawattstunden Strom gespart. «Dies entspricht dem Jahresverbrauch von 30 000 Haushalten», so Meyer.

In der Wirtschaft ist man sich uneinig über die künftige Energiepolitik. Swissmem-Präsident Hans Hess schreibt in einem Gastbeitrag für den «Sonntag»: «Ich bin überzeugt, dass ein sofortiger teilweiser oder gar totaler Ausstieg aus der Kernenergie schlicht nicht verantwortbar ist.»

Von einer Zukunft ohne Atomstrom halten auch die Verwaltungsratspräsidenten der Stromkonzerne Alpiq, BKW und Axpo wenig. Noch ist nicht sicher, ob sie die Rahmenbewilligungsgesuche für neue Atomkraftwerke in Mühleberg, Beznau oder im solothurnischen Niederamt überhaupt zurückziehen werden. «Eine Wiederaufnahme der sistierten Rahmenbewilligungsgesuche ist möglich», sagt dazu Alpiq-Verwaltungsratspräsident Hans Schweickardt. BKW-Präsident Urs Gasche beurteilt die Frage ähnlich.

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