Sarasin will Neubau loswerden

Diktiert einen harten Sparkurs: Joseph Safra. Foto: Keystone

Diktiert einen harten Sparkurs: Joseph Safra. Foto: Keystone

Sitz an Zürcher Toplage wird zum neusten Opfer des Sparkurses der Privatbank.

Eine Toplage am See in unmittelbarer Nähe zur Zürcher Bahnhofstrasse: Was sich viele Privatbanken als Hauptsitz wünschen, steht bei J. Safra Sarasin auf der Abschussliste. Zwischen dem Kongresshaus und dem Hotel Baur au Lac kündigte die Privatbank vor drei Jahren zusammen mit dem Grundeigentümer einen Neubau an. Nun ist das Interesse der Bank am neuen Zürcher Hauptsitz verflogen. Wie Insider aus dem Umfeld der Bank erzählen, will das Institut das Projekt beerdigen und lotet Möglichkeiten zum Ausstieg aus.

Die Bank sieht gemäss gut informierten Kreisen den Bedarf an einem neuen Zürcher Sitz nicht mehr als gegeben an. Der Rückzug aus dem Projekt reiht sich nahtlos ein in den Sparkurs, den die Bank seit dem Einstieg der brasilianischen Familie Safra als Mehrheitseigentümerin verfolgt. Die Safra-Gruppe übernahm die Mehrheit an der Privatbank vor einem Jahr von der niederländischen Rabobank-Gruppe.

Die neuen Eigentümer um den brasilianischen Patriarchen Joseph Safra, der mit einem geschätzten Vermögen von 16 Milliarden Dollar zu den reichsten Menschen Südamerikas gehört, verordnen der Bank eine Schrumpfkur. Ende Mai warf Safra bei Sarasin den bisherigen CEO Joachim Strähle raus. Bei der Privatbank und ihren Mitarbeitenden ist nun die Verunsicherung gross.

Auf dem mit gut 8500 Quadratmeter «attraktivsten Grundstück der Stadt», wie es der «Tages-Anzeiger» formulierte, sollte ein fünfstöckiger Bürokomplex entstehen. In diesem wollte die Bank zwei Zürcher Standorte zusammenlegen und Platz für bis 500 Mitarbeiter schaffen. Heute steht dort die 170-jährige Villa Rosau, die etwa den Club Baur au Lac und den Club Diagonal beherbergt. Die Villa sollte im Zug des Neubaus renoviert werden.

Auf 110 Millionen Franken bezifferten die Projektpartner die Kosten des Prestigebaus. Als Architekten wurde das Büro Gigon/Guyer verpflichtet, das in Zürich schon den Prime Tower entwarf.

Das Projekt kam zustande, nachdem die Stadtzürcher Stimmbürger 2008 das Projekt eines Kongresszentrums am See verwarfen. Hätten die Stadtzürcher damals Ja zum «Moneo»-Projekt gesagt, hätte die Stadt Zürich das Areal erworben und freigegeben für ein Kongresshotel.

Das Areal gehört nicht der Bank Sarasin, sondern der Villa Rosau AG um die Baur-au-Lac-Familie Roulet. Mit ihr schloss die Bank J. Safra Sarasin auch den Mietvertrag ab. Für satte 40 Jahre mieteten sich die Privatbanker ein, wie der «Tages-Anzeiger» 2011 berichtete. Der Ausstieg aus dem Projekt dürfte deshalb alles andere als billig werden und Kosten in Millionenhöhe nach sich ziehen.

Ursprünglich sollte der Neubau im umweltfreundlichen Minergie-Standard Anfang 2014 eröffnet werden. Daraus wird allerdings nichts. Bagger sind bisher keine aufgefahren. Die Villa Rosau AG verbrachte die letzten Jahre im Rechtsstreit mit einem Nachbarn. Vor drei Monaten lehnte das Zürcher Verwaltungsgericht einen weiteren Rekurs eines Anwohners ab. Die Rückzugspläne der Bank kommen damit zu einem Zeitpunkt, an dem die Bahn zumindest rechtlich frei wäre für den Neubau.

Der Pressesprecher der Villa Rosau AG, Heinz Hug, weiss nichts von Rückzugsplänen der Bank. Er sei optimistisch, dass mit dem Bau noch 2014 gestartet werden könne, sagt er. Doch auch aus dem Umfeld weiterer Projektpartner werden Rückzugsgerüchte kolportiert. Sprecher Hug ficht das nicht an. «Die Verträge sind unterzeichnet und rechtskräftig», sagt er. Er gehe nicht davon aus, dass Sarasin das Projekt fallenlasse. An der Realisierung des Neubaus zweifle er nicht. «Die Lage ist heiss begehrt.»

Auch die Stadt Zürich wollte keine Stellung zu einem allfälligen Rückzug der Bank nehmen. «Zur Planung kann die Stadt keine Auskunft geben», sagt Urs Tinner, Sprecher des Stadtzürcher Hochbaudepartementes. «Das Baubewilligungsverfahren läuft.»

Die Bank J. Safra Sarasin schreibt auf Anfrage, sie «freue sich auf dieses Projekt in Zürich», der Bau sei «Teil der Wachstumsstrategie». Über den Zeitplan könnten momentan keine Angaben gemacht werden.

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