Kommende Woche übernimmt die Bank Safra formell die Macht bei der Bank Sarasin. An der ausserordentlichen Generalversammlung sollen am Dienstag fünf Vertreter von Safra in den achtköpfigen Verwaltungsrat der Bank gewählt werden.

Doch schon jetzt haben sich die beiden Banken angenähert. Nicht nur herrscht offenbar seit einigen Wochen ein strengerer Ton in den Gängen des Sarasin-Hauptsitzes in der «Elisabethen». Nun hat Safra auch ganz offiziell ihren Sitz ins Basler Sarasin-Geviert verlegt.

Diese Woche wurde die J. Safra Holding vom Zürcher ins Basler Handelsregister umgebucht. Ihr Büros hat sie demnach im Eckhaus an der Wallstrasse 1. Bis Ende Juni war in dem Haus eine Filiale der Bank Zweiplus untergebracht, an der die Bank Sarasin die Aktienmehrheit von 57,5 Prozent besitzt. Noch zeugen Hinweisschilder an die Zweiplus-Kunden von der früheren Niederlassung.

Das Gebäude gehört der Bank Sarasin, wird aber nicht von dieser genutzt. Selbst belegt die Bank verschiedene Gebäude an der Wallstrasse und der Elisabethenstrasse.

Über den Grund für die Sitzverlegung der Safra-Holding schweigen sich die beiden Banken aus. Weder Sarasin noch Safra wollten entsprechende Fragen des «Sonntags» beantworten.

Die Annäherung ist indes ein Zeichen für das Zusammenwachsen von «Safrasin». Bereits Ende Juni bewilligte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) die Übernahme der Stimmen-Mehrheit, die bis anhin im Besitz der holländischen Rabobank war.

Auch ein Exponent der künftigen «Safrasin»-Gruppe ist inzwischen in die Region gezogen: Joseph Yacoub Safra, Präsident der Safra-Holding, hat seine Papiere von Brasilien nach Bottmingen verlegt. So ist er im neuen Eintrag der Safra-Holding registriert, und so lautet sein Eintrag seit Ende Juni auch bei der in Genf domizilierten Banque J. Safra (Suisse) SA. Die genaue Adresse ist nicht bekannt. Safra hält sie geheim, und die Gemeinde will Fragen dazu mit Verweis auf den Datenschutz nicht beantworten.

Fraglich ist, ob Safra effektiv in Bottmingen wohnt, oder ob er dort bloss einen Briefkasten angemietet hat. Im Grundbuch weist nichts auf einen Hauskauf hin, im Dorf will niemand etwas vom Zuzug eines Bankiers mitbekommen haben. Möglicherweise hat die Domizilverlegung regulatorische Gründe. Zwar will die Finma den Fall Safra nicht kommentieren. Generell weist Sprecher Tobias Lux aber darauf hin, dass es Praxis der Finma sei, dass nebst dem Top-Management «auch der Präsident oder ein Vizepräsident einer Bank in der Schweiz wohnhaft sein muss». Joseph Safra soll gemäss Traktanden nicht selbst in den Verwaltungsrat der Bank Sarasin gewählt werden. Mit der Holding präsidiert er jedoch die Muttergesellschaft der künftigen «Safrasin»-Gruppe.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!