VON MAILA BERMEJO

Wer sein Handy in Reparatur gibt, muss damit rechnen, dass es von Technikern privat genutzt wird. Dem «Sonntag» liegt folgender Fall der Kundin M. B. vor: Als sie ihr Handy nach drei Wochen in der Reparatur am Kundendienstschalter im Media Markt Dietikon abholt und einschaltet, erscheint als Erstes das Bild eines fremden Mannes auf dem Display.

Der Unbekannte hat sich im Unterhemd und mit offenem Hosenstall fotografiert, sein Blick beängstigend starr in die Kamera gerichtet. Im Hintergrund erkennbar: ein Fernseher, eine Sockenkiste, eine Tür. Das Bild wurde offenbar in einer Privatwohnung aufgenommen.

Damit nicht genug. Im Ordner «Gesendete Mitteilungen» findet M. B. 15 SMS-Nachrichten mit privaten Inhalten – der Verfasser: wohl der Mann mit der offenen Hose.

Das Foto und die SMS lassen keinen Zweifel aufkommen: Das Handy wurde vom zuständigen Techniker der Reparaturfirma nach Hause genommen und für private Zwecke verwendet.

Auf die Reklamation der Kundin hin weist der Media Markt Dietikon jegliche Verantwortung von sich: «In Reparaturfällen nehmen wir die Geräte nur an und leiten sie an die Vertragswerkstatt der Herstellerfirma weiter. Die gespeicherten Daten auf Ihrem Handy stammen nicht von einem unserer Mitarbeiter», schreibt die Firma.

Die Geschäftsführerin von Media Markt Dietikon, Kyra Arnold, ist bestürzt: «Ich bin erschrocken über den Vorfall.» Dieser geschah bei der externen Reparaturfirma. Bei Media Markt selber ist es Mitarbeitern gemäss Arnold «strengstens untersagt, Kundengeräte mit nach Hause zu nehmen».

Gelassen gibt man sich hingegen bei der zuständigen Vertragswerkstatt Mobiletouch. Laut Marketingmanager Damiano Randazzo komme es schon mal vor, dass ein Techniker ein Reparaturgerät mit nach Hause nehme, falls er den Fehler während der Arbeitszeit nicht herausfinden könne. Das Foto findet er nicht obszön, «der Mann ist ja schliesslich nicht halb nackt».

Doch dann räumt Mobiletouch ein, dem Mitarbeiter sei gekündigt worden. «Der Techniker hat das Handy nicht für das gebraucht, wofür er es hätte brauchen sollen», begründet Randazzo.

laut Beat Eggimann, Chef beim Kundendienst der Mobiltelefon-Ladenkette Mobilezone, ist es erlaubt, Reparaturgeräte in Ausnahmefällen für einen Test mit nach Hause zu nehmen, wenn man das Gerät professionell behandle. Kyra Arnold von Media Markt kritisiert: «Ich kann mir vorstellen, dass es nicht rechtens ist, Geräte mit nach Hause zu nehmen, ohne die Kunden im Vorfeld darüber zu informieren.»

Für Kundin M. B. gibt es übrigens ein Happy End: Sie kriegt vom Hersteller Samsung ein neues Handy – und vom Media Markt einen 100-Franken-Gutschein als Trostpflaster.