Rega fliegt 1133 Einsätze in Deutschland

Schweizer Gönner zahlen für Heli-Rettungen im Bundesland Baden-Württemberg.

Mit ihren 17 Helikoptern flog die Schweizer Rettungsflugwacht Rega vergangenes Jahr 10 250 Einsätze. Wie die Rega auf Anfrage mitteilt, rückten die Crews in über 10 Prozent der Fälle ins Ausland aus. Allein nach Deutschland flog die Rega 1133-mal. In Frankreich setzten die Rega-Helis für 109 Einsätze ab. Und in Italien, Österreich und Liechtenstein war die Rega 55-mal.

Auf heimischem Boden hat die Rega Konkurrenz erhalten. Deshalb sind Einsätze im Ausland ein willkommener «finanzieller Zustupf»: «Die Rega stellt die Luftrettung in der Schweiz sicher. Das ist unsere Kernaufgabe. Zusätzliche Einsätze im grenznahen Ausland helfen, die Gönner und die Jahresrechnung zu entlasten», sagt Rega-Sprecherin Karin Hörhager.

Das Gegenteil ist der Fall: Wie Nachfragen der «Schweiz am Sonntag» ergeben, verrechnet die Rega für Notfallrettungen im grenznahen Ausland Fr. 89.10 pro Minute am Tag und in der Nacht Fr. 102.75. Auf den Rappen genau denselben Tarif wie in der Schweiz.

Das bedeutet, dass Schweizer Rega-Gönner die Rettungseinsätze in Baden-Württemberg mitfinanzieren. Denn wie die Rega im Jahresbericht schreibt, kann eine «professionelle Luftrettung nicht kostendeckend betrieben werden». Ein Blick in die Betriebsrechnung 2012 zeigt: Mit Rettungen und Repatriierungen erwirtschaftete die Rega einen Ertrag von rund 59 Millionen Franken. Der Betriebsaufwand beläuft sich jedoch auf 128 Millionen Franken.

Damit die Gesellschaft keinen Verlust macht, ist sie auf Gönnerbeiträge angewiesen. Eine einfache Überschlagsrechnung zeigt also, dass die Rega für kostendeckende Flüge nach Deutschland deutlich mehr verlangen müsste, etwa 30 bis 40 Prozent mehr.

Karin Hörhager sieht dies anders: «Durch die im Ausland geflogenen Einsätze entstehen keine zusätzlichen Fixkosten, sondern es kann ein Deckungsbeitrag generiert werden. Bleibt der Heli hingegen am Boden, bleiben die fixen Kosten vollkommen ungedeckt.» Auch könnte beispielsweise die Basis in Basel ohne Auslandeinsätze nicht bestehen, behauptet Hörhager.

Warum die Rega gerade in Deutschland so viele Einsätze fliegt, liegt an den dortigen Flugbestimmungen. Deutsche Rettungshelikopter dürfen im Bundesland Baden-Württemberg nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fliegen. «Deshalb wird die Rega von den Leitstellen nachts angefragt», ist vom Innenministerium von Baden-Württemberg zu erfahren. Rund ein Drittel der Rettungen führt die Rega in der Nacht durch. «Die Einsätze sind sowohl fliegerisch als auch medizinisch meist sehr anspruchsvoll», sagt Hörhager.

Was geschieht, wenn der Heli gerade in Süddeutschland unterwegs ist und es in Basel zu einem Notfall kommt? «Wir haben in jedem Fall für das Gebiet um Basel genügend Kapazitäten aus den umliegenden Regionen. Unser modernes Einsatzleitsystem erlaubt es uns, alle verfügbaren Mittel optimal einzusetzen.»

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