Das Phantom ist zurück in seiner Heimat. José Manuel Ramos alias Jairo Aramburo Sandoval lebt in einem Vorort von Bogotá. Dort geht der verurteilte kolumbianische Drogenbaron seinen früheren Tätigkeiten nach und treibt wiederum ein Doppelspiel: als Mitglied des berüchtigten Medellin-Kartells und als Agent für die USA. Das geht aus Dokumenten der US-Administration hervor, wie mehrere zuverlässige Quellen gegenüber dem «Sonntag» berichten. Die Spur von Ramos hatte sich nach seinem fragwürdigen Einsatz als V-Mann in der Schweiz verloren.

Der Name Ramos hat die Prozesswoche im Fall Holenweger vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona dominiert. Ohne ihn wäre der Anfangsverdacht gegen den Privatbankier nicht gegeben gewesen. Ramos hatte behauptet, Oskar Holenweger sei ein Drogengeldwäscher – eine falsche Anschuldigung. Doch der frühere Bundesanwalt Valentin Roschacher kroch Ramos auf den Leim. Beteiligt war auch Erwin Beyeler, Roschachers Nachfolger und damaliger Chef der Bundeskriminalpolizei.

«Der Sonntag» fand Ramos auf Facebook. Aus Ermittlerkreisen wird bestätigt, dass es sich um den V-Mann handelt, der in der Schweiz einen beispiellosen Polit- und Wirtschaftskrimi auslöste. «Die Kernkompetenz von Ramos war Lügen», sagte Holenweger diese Woche vor Gericht. Das zeigt sich selbst auf Facebook: Ramos macht sich in seinem Profil rund zehn Jahre jünger und chattet mehrheitlich mit jungen Frauen.

Die Ramos-Akten werden von der Bundesanwaltschaft unter Verschluss gehalten. Nicht ohne Grund, denn sie würden aufzeigen, welch ein Desaster die Einschleusung und der Einsatz des Doppel-Agenten war. Er benutzte 10 verschiedene Alias-Namen, 6 Geburtsdaten und lieferte kaum verwertbare Informationen.

Zum ersten Kontakt zwischen Ramos, der sich auch «El Brujo» («der Hexer») nannte, kam es 1997. Die damalige Bundesanwältin Carla Del Ponte und Valentin Roschacher als stellvertretender Chef der kriminalpolizeilichen Zentralstellen im Bundesamt für Polizei führten mit ihm Einvernahmen durch. Dabei ging es um Ermittlungen gegen Raul Salinas. Ramos gab an, der Bruder des früheren mexikanischen Präsidenten sei in den Drogenhandel verwickelt.

Die Aussagen erwiesen sich später als Lügengebilde. Doch da hatte sich der mehrfach verurteilte Drogenhändler schon das Vertrauen der obersten Schweizer Untersuchungsbehörden erschlichen. Es war der Anfang des Falls Holenweger.

Auf Facebook-Anfragen des «Sonntags» reagierte Ramos bis Redaktionsschluss nicht.

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