VON NADJA PASTEGA UND SANDRO BROTZ

Die politische Karriere von Qaasim Illi (28), Kadermann beim umstrittenen Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZRS), fing schon früh an – und weist überraschende Stationen auf. Bereits vor dem IZRS war Illi politisch aktiv – ausgerechnet bei der Organsiation von Blocher, Schlüer und Co.: Der Radikal-Konvertit war Mitglied bei der Auns (Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz).

Er sei der SVP-Kampftruppe «etwa zwei Jahre vor der UNO-Abstimmung» von 2002 beigetreten, sagt Illi gegenüber dem «Sonntag». Ausgetreten sei er «etwa zwei Jahre nach dieser Abstimmung». Bei der Auns sei er «ein aktives Passivmitglied gewesen», so Illi. «Ich war ge-gen den EU- und den UNO-Beitritt der Schweiz.»

Wie ausgeprägt das Sendungsbewusstein von Auns-Mitglied Illi war, zeigte sich am 23. Februar 2002: Qaasim Illi, der damals noch Patric hiess, organisierte in Schaffhausen eine Demonstration gegen den UNO-Beitritt der Schweiz. Etwa 50 Jugendliche nahmen an der Kundgebung teil. Unterstützt wurde die Demo von der Jungen SVP Schaffhausen.

Pikant: Während Auns-Exponenten und die SVP gegen «Sozialschmarotzer» wettern, lebt das ehemalige Auns-Mitglied Illi ausschliesslich auf Staatskosten. Qaasim und seine Ehefrau Nora Illi, Frauenbeauftragte beim IZRS, zahlen null Franken Steuern. Das geht aus dem aktuell verfügbaren Steuerausweis 2008 der Stadt Bern hervor. Er liegt dem «Sonntag» vor.

Was der Steuerausweis nicht verrät, zeigen weitere Recherchen: Als Haupterwerbsquelle der damals vierköpfigen Familie Illi ist die Tätigkeit der Ehefrau angegeben. Qaasim ist Student und erwerbslos. Seine Frau ist gelernte Polygrafin. Sie soll laut Steuererklärung total 35 Franken verdient haben – in einem Jahr!

Hinzu kommt ein nicht steuerpflichtiges Einkommen von 25 400 Franken. «Ich bekomme Stipendien», erklärt Illi. «Da ich keiner Arbeit nachgehe, wurden die Stipendien gekürzt.» Ob zu den 25 400 Franken auch Sozialhilfe gehört, kann Illi nicht eindeutig dementieren. Er will die einzelnen Posten nicht offenlegen und sagt lediglich: «Wir kommentieren unsere finanziellen Verhältnisse nicht.»

Klar ist: Bei den Einkünften handelt es sich nicht um private Zuwendungen aus dem Familienkreis: «Eine Schenkung kann ausgeschlossen werden», sagt Illi: «Wir werden von unseren Eltern nicht finanziell unterstützt.» Das heisst: Das Einkommen der Familie Illi ist der Staat.

Das war schon früher so. Der Spitzenmann beim Islamrat hängt seit längerem am Staatstropf. Er muss einräumen: «2006 habe ich Sozialhilfe bekommen.» Die finanzielle Lage seiner Familie habe sich seither nicht gebessert und sei prekär: «Wir leben unter dem Existenzminimum.»

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