Mit «Tiefzinswochen» wirbt die Bank Coop derzeit bei jeder Transaktion an einem ihrer Bankomaten für Privatkredite. Auch die Basler Kantonalbank sowie die Baloise Bank SoBa versuchen momentan mit denselben Worten, ihren Kunden Privatkredite schmackhaft zu machen.

Damit reagieren die drei Banken auf das Tiefzinsangebot der Konkurrenz. Denn wer rechnet, nimmt beim Kreditportal Cashgate, dem diese Banken wie etwa auch Raiffeisen angehören, keinen Kredit zu den offiziellen Tarifen auf. Die Aktion mit 6,9% Zins läuft bis Ende November und soll verhindern, dass der Bestand an vergebenen Privatkrediten bei Cashgate weiter erodiert, wie im Halbjahresbericht zu ähnlichen Aktionen nachzulesen ist.

Das Problem des Privatkreditspezialisten Cashgate ist die Migrosbank. Diese pflügt seit März 2010 mit ihrem Dumpingangebot den Privatkreditmarkt um. Mit Erfolg: Per Ende September verzeichnete sie erstmals einen Privatkredit-Bestand von einer Milliarde Franken, wie Sprecher Albert Steck bestätigt. Der Bestand an vergebenen Privatkrediten ist somit seit Juli um 69 Millionen Franken gestiegen, seit Anfang Jahr gar um 195 Millionen Franken.

Der Durchschnitts-Privatkredit eines Migrosbank-Kunden beläuft sich auf etwas über 20000 Franken. Somit dürfte die Bank seit Januar über 9000 Kunden hinzugewonnen haben – und dies in einem stagnierenden Gesamtmarkt. Die Migrosbank hat hauptsächlich Kunden von Konkurrenten hinzugewonnen, wie sie bestätigt. Der Marktanteil konnte dadurch auf 15 Prozent erhöht werden. Somit müssten die grossen Konkurrenten Cashgate, GE Money Bank und Credit-Now Anteile verloren haben, was jedoch keine der Banken bestätigen will.

Doch warum hat seit dem Start der Migrosbank-Offensive einzig die Berner Kantonalbank die Privatkreditzinsen dauerhaft gesenkt? Denn laut Migrosbank ist ihr Angebot dank Tiefzinsumfeld und Einsparungen ohne Rentabilitätseinbussen möglich. «Die Anbieter können hier viel eher verlangen, was sie wollen, ohne dass die Angebote von den Kunden hinterfragt werden», sagt dazu Martin Scherrer, der bei Comparis die Zinsentwicklung bei Krediten, Hypotheken und Geldanlagen verfolgt. Dies habe wohl damit zu tun, dass gewisse Schuldner aus einer Notsituation heraus schlichtweg froh seien, überhaupt von jemandem Geld zu erhalten. Deshalb sollte man grundsätzlich immer versuchen, zu verhandeln, empfiehlt Scherrer.

Das Geschäft scheint gut zu laufen für die Kreditgeber. So gut, dass etwa Cashgate laufend neue Filialen eröffnet. Anfang September wurde die zweite Niederlassung in Lausanne eröffnet, vor zehn Tagen die dritte in St. Gallen und im nächsten Jahr sollen weitere folgen, wie Sprecherin Karin Broger sagt.

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