VON FLORENCE VUICHARD, PETER BURKHARDT UND YVES DEMUTH

Bundesrat Pascal Couchepin will bei den Medikamenten rund 400 Millionen Franken sparen. Das genügt dem Konsumentenschutz nicht: «Wenn der Spareffekt bei den Medikamenten nicht mindestens 800 Millionen Franken beträgt, dann lancieren wir in der zweiten Jahreshälfte eine Volksinitiative», sagt Simonetta Sommaruga im Interview mit dem «Sonntag».

Dabei kann die Berner SP-Ständerätin und Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz auf eine breite Unterstützung zählen: Mit von der Partie ist der Krankenkassenverband Santésuisse, die Patientenorganisationen und der Detailhandel – unter anderen Migros, Coop und Denner. Gemeinsam bilden sie das «Forum für Parallelimporte und höhere Kaufkraft».

Die Initiative umfasst im Wesentlichen zwei Punkte: Erstens sollen Medikamente am offiziellen Vertriebskanal vorbei – also parallel und günstiger – importiert werden können. Zweitens plädiert Sommaruga für eine neue Regelung zur Vergütung von Medikamenten: «Die Kassen sollen bei gleichen Medikamenten nur den Preis des günstigsten Präparats bezahlen – plus maximal 10 Prozent.» Beide Massnahmen zusammen haben laut Sommaruga ein Sparpotenzial von über einer Milliarde Franken.

Wenig hält Sommaruga von Couchepins Idee, den anstehenden Prämienschock von 15 Prozent mit noch mehr Prämienverbilligungen abzufedern: «Das kann ich im Moment nicht verantworten. Solange mit staatlich überhöhten Preisen ausländische Pharmakonzerne gefüttert werden, können wir doch nicht gleichzeitig die hiesigen Steuerzahler zwingen, immer mehr in Prämienverbilligungen einzuzahlen.»

Dass es Handlungsbedarf gibt, zeigt Folgendes: Geht das Kostenwachstum ungebremst weiter, werden sich die Krankenkassenprämien in nur 14 Jahren verdoppeln. Das bedeutet für eine Durchschnittsfamilie, dass sie dann 23 500 Franken Prämien zahlt – heute sind es knapp 11 800 Franken.

Der Chef der grössten Krankenkasse Helsana, Manfred Manser, fordert weitere radikale Massnahmen, um den Kostenanstieg im Gesundheitswesen zu bremsen. «Vor allem könnten wir die Anzahl Spitäler und Ärzte auf das nötige Mass senken», sagt Manser. «Jeder zehnte Arzt in der Schweiz ist zu viel.» Von 320 Spitälern will er 270 schliessen.

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