Der 23.Dezember war für Bundesrat, Bankrat und Nationalbank ein Krisentag. An der ausserordentlichen Sitzung des Bundesrats nahmen auch der damalige Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand und Bankrats-Präsident Hansueli Raggenbass teil. Thema: Die Berichte von PwC und von Kurt Grüter zu Hildebrands Devisentransaktionen. Eine Person musste die Runde frühzeitig verlassen: Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf. Nach nur 30 Minuten brach sie nach Prag auf. Dort nahm sie am Staatsakt für Václav Havel teil.

Widmer-Schlumpf hörte nicht, was in der Runde über die Kommunikation zur Causa Hildebrand besprochen wurde. Bundespräsidentin Micheline Calmy- Rey betonte, der Bundesrat mische sich nicht ein: Das sei Sache der Nationalbank (SNB). Bundesratssprecher André Simonazzi aber gab Hildebrand und Raggenbass gemäss zwei Quellen eine unmissverständliche Empfehlung ab, die unwidersprochen blieb: Es helfe nur eines: umfassend zu informieren. Alles müsse auf den Tisch. Der Gesamtbundesrat betonte damit, die Nationalbank solle PwC- wie Grüter-Gutachten sofort veröffentlichen. Genauso wie ihr internes Reglement über Eigengeschäfte. Schon zwei Tage zuvor hatte der Bundesrat schriftlich auf eine umfassende Kommunikation gedrängt.

Am Tag zuvor, an seiner Sitzung vom 22.Dezember, hatte der Bankrat über die Kommunikation gebrütet, in Anwesenheit Hildebrands: Informiert er offensiv oder defensiv? Umfassend oder selektiv? Beschlüsse wurden keine gefasst. Eine Mehrheit sprach sich aber für eine Offensive aus. Gemäss mehreren Quellen auch Präsident Raggenbass.

Zur plötzlichen Wende kam es erst nach der Bundesratssitzung vom 23.Dezember. Diesmal beugte man sich in der SNB über die Kommunikation: Mitglieder des Direktoriums, Bankrats-Präsident Raggenbass, die Kommunikationsabteilung der SNB (wohl Werner Abegg), weitere Personen – und ein Medienberater, mit hoher Wahrscheinlichkeit Jörg Denzler.

Hildebrands Anwalt Peter Nobel hatte dem Inhaber der Zürcher Agentur Balanx das Mandat erteilt, seinen Klienten aus der Schusslinie zu nehmen. Denzler selbst will weder bestätigen noch dementieren, dass er bei der Ausarbeitung der Medienmitteilung anwesend war. Er bestätigt einzig erstmals, dass er sein Mandat «in dieser Sache» an jenem 23. Dezember übernommen hat.

Nach langem Abwägen entschied die Runde, nur den Problempunkt auf den Tisch zu legen: die zentrale Devisentransaktion der Hildebrands vom 15.August. Das Communiqué, das für die Öffentlichkeit aus heiterem Himmel kam, war als «Mitteilung des Bankrats der Nationalbank» überschrieben. «Gerüchte gegen den Präsidenten des Direktoriums erweisen sich als halt-los», hiess der Titel. Vor der Veröffentlichung soll es noch Kontakte zwischen der Nationalbank und Bundesräten gegeben haben.

Dann geschah wenig. Bis zum 1. Januar, als die «NZZ am Sonntag» titelte: «Blochers fragwürdige Rolle». Und die «SonntagsZeitung»: «Blocher schwärzte Nationalbank-Chef an». Auf der Redaktion der «SonntagsZeitung» gilt es als offenes Geheimnis, dass Denzler die Chefredaktion ins Bild setzte. Er habe der Geschichte einen neuen Dreh geben wollen: weg von Hildebrand, hin zur SVP. Hildebrands Anwalt Nobel pflegt traditionell gute Kontakte zur «SonntagsZeitung».

Diese Informationen entkräften den Verdacht, Blocher sei aus dem Umfeld des Bundesrats an die Medien verraten worden. Da Denzler aber offenbar nicht einschätzen konnte, ob die «SonntagsZeitung» seinen gewünschten Spin übernimmt, wandte er sich auch an die «NZZ am Sonntag». Aus der Redaktion sickert durch, Denzler habe sich am Freitagabend kurzfristig mit «brisanten Informationen» an den branchenbekannten «Blocher-Gegner» und Chefredaktor Felix E. Müller gewandt.

Gegenüber dem «Sonntag» wollte Denzler «aus Prinzip» nichts zu seiner Rolle sagen. Und die Chefredaktoren der beiden Zeitungen meldeten sich auf Anfrage nicht.

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