VON SANDRO BROTZ

Sie nannten sich Peter Elvinger und Evan Dennings und ihr Ziel war Zimmer Nummer 230 des Luxus-Hotels al-Bustana Rotana in Dubai. Elvinger und Dennings waren zwei von elf Mitgliedern eines mutmasslich israelischen Killerkommandos. In dem Hotelzimmer wurde der 49-jährige Hamas-Führer Machmud al-Mabhub zuerst gefoltert und dann erdrosselt. Nur 24 Stunden nach seiner Ermordung konnte Dubais Polizei dank Überwachungskameras der Weltöffentlichkeit die Gesichter der Killer vorführen.

Die in Geheimdienstbelangen gut informierte britische Zeitung «Times» machte publik, dass Elvinger und Dennings von Zürich ins Emirat flogen. In Bundesbern fragt man sich nun: Welche Erkenntnisse hat der Schweizer Geheimdienst dazu? Wurde der Flughafen Zürich als Transitraum benutzt oder haben sich die Agenten länger im Land aufgehalten? Mit diesen brisanten Fragen wird sich die Geschäftsprüfungsdelegation als Oberaufsicht des Nachrichtendienstes an ihrer nächsten Sitzung befassen, wie Präsident Claude Janiak (SP/BL) gegenüber dem «Sonntag» bestätigt: «Falls es Hinweise auf verbotenen politischen Nachrichtendienst gebe, müsste die Bundesanwaltschaft mit Ermächtigung des Bundesrates ein Strafverfahren eröffnen.»

Die Bundesanwaltschaft hat laut Walburga Bur «keine Anhaltspunkte, die die Einleitung von Ermittlungen rechtfertigen». Doch der Druck der Politik steigt. Nicht nur bei der Geschäftsprüfungsdelegation, sondern auch in der Aussenpolitischen und in der Sicherheitspolitischen Kommission wird der aufsehenerregende Fall zum Thema. «Wir dürfen allfällige nachrichtendienstliche Aktivitäten auf unserem Territorium nicht dulden», sagt Christoph Mörgeli (SVP,/ZH). Der Verdacht, dass die Schweiz dem israelischen Geheimdienst als Operationsbasis dient, sei naheliegend, meint Josef Lang (Grüne/ZG): «Dafür sprechen auch frühere Vorfälle.»

Einer dieser Vorfälle sorgte für einen Dämpfer in den nachrichtendienstlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel. Vor zwölf Jahren entlarvte eine misstrauische Bewohnerin eines Berner Wohnhauses im Keller fünf Mossad-Agenten bei dem Versuch, das Telefon eines angeblichen Hisbollah-Aktivisten zu verwanzen. Der für den Mossad peinliche Prozess führte zu einer Verstimmung unter den Diensten. Die Schweiz sei daraufhin als Drehscheibe für den israelischen Geheimdienst in der Prioritätenliste nach unten gerutscht, wie mehrere Quellen gegenüber dem «Sonntag» berichten.

In den letzten Jahren ist die Schweiz wieder in der Gunst des Mossad gestiegen, was auch mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Samuel Schmid zu tun hat, der ein erklärter Freund Israels war. Der Geheimdienst schweigt naturgemäss: «Wir verfolgen die Geschichte», meint Sprecher Felix Endrich lediglich.

Mit der Dubai-Affäre ist unter Geheimdienst-Experten eine heftige Debatte über die Vorgehensweise der israelischen Agenten entbrannt. «Die Aktion zeigt, dass sich der Mossad nicht mehr auf nachrichtendienstliche Aufklärung beschränkt, sondern wieder politische Morde ausführt», sagt Erich Schmidt-Eenboom. Das Urteil seines Kollegen Rolf Tophoven ist vernichtend: «Dass die Agenten unter den Augen einer Vielzahl von Überwachungskameras agierten, war amateurhaft.» So mutierten die Killer erst zu gläsernen Agenten – mit Spuren in die Schweiz.

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