Laut Economiesuisse braucht es am Gotthard zwingend eine zweite Röhre. Denn der alte Tunnel muss spätestens bis 2025 saniert und deshalb während 900 Tagen gesperrt werden. Economiesuisse will den neuen Tunnel aber nicht vom Staat, sondern mit privaten Mitteln finanzieren.

«Public-Private Partnership» (PPP) heisst das Zauberwort. Um diesem Ziel näher zu kommen, liess der Wirtschaftsverband von BSS Volkswirtschaftliche Beratung und dem Ingenieurbüro Basler & Hofmann eine Machbarkeitsstudie erstellen. Die UBS stellte dabei ihre PPP-Expertise zur Verfügung.

Am 22. Februar wird Economiesuisse die Studienresultate der Öffentlichkeit vorlegen. Dem «Sonntag« sind die wichtigsten Punkte schon jetzt bekannt:

Investitionskosten: aDas Projekt sieht die Gründung einer privaten Firma vor mit einem Eigenkapital von 300 bis 500 Millionen Franken. Das reicht, um die Sanierung des bestehenden Tunnels und den Bau des zweiten mit 2 bis 2,5 Milliarden Franken zu finanzieren. Für die Finanzierung kämen Banken, Privatpersonen oder Pensionskassen infrage. Laut Dominique Reber von Economiesuisse wären die Kosten mit dem PPP-Modell deutlich geringer als bei einer öffentlichen Finanzierung. Das Bundesamt für Strassen (Astra) rechnet mit rund 2 Milliarden Franken allein für den Bau einer zweiten Röhre.

Betrieb: Um die Investitionskosten zu refinanzieren, setzt Economiesuisse auf eine Maut-Gebühr. Laut «Sonntag»-Informationen würden die Autofahrer für eine einfache Gotthard-Durchfahrt zwischen 16 und 30 Franken zahlen. Gemäss Reber gibt es zwar Alternativen dazu, «aber das Maut-System ist sicher am naheliegendsten». Vielnutzer wie Urner und Tessiner erhielten wohl vergünstigte Monats- oder Jahreskarten.

Dem Astra sind die Studienresultate zwar noch nicht bekannt. Ein Sprecher bestätigt jedoch, dass Astra-Direktor Rudolf Dieterle bei der Studienpräsentation an einem Podium teilnehmen wird. Das Hauptproblem des Bundes beim Bau einer zweiten Gotthardröhre sei aber nicht die Finanzierung, sondern der noch ausstehende politische Entscheid.

Ebenfalls am Podium teilnehmen werden ein UBS-Direktor sowie der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi. Dieser sagt: «Die Einführung einer Maut von bis zu 30 Franken durch ein PPP ist für mich die bessere Lösung, als während der Sanierung gar keinen Tunnel zu haben. Die beste Lösung wäre indes eine durch den Bund finanzierte zweite Gotthard-Röhre ohne Gebühren.»

Gegen eine zweite Gotthard-Röhre und deren private Finanzierung gibt es indes zahlreiche Opponenten. Der Touring-Club Schweiz und der Nutzfahrzeugverband Astag fordern zwar eine zweite Röhre, dem Tabubruch einer Privatfinanzierung mit Tunnelgebühr stehen sie jedoch kritisch gegenüber. Der grünliberale Urner Ständerat Markus Stadler will keine zweite Röhre und vermutet, dass mit der PPP-Studie versucht wird, einen Entscheid für diese herbeizuführen, der ansonsten politisch nicht akzeptiert würde.

Das Parlament wird voraussichtlich 2013 entscheiden, ob die Gotthard-Sanierung eine zweite Röhre notwendig macht und der Bund diese finanzieren will. Für eine Maut-Gebühr bräuchte es einen Entscheid des Parlaments.

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