Zürich schneidet im Pisa-Vergleich der Kantone schlecht ab. Jeder fünfte 15-jährige Schüler ist in Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften so schwach, dass seine berufliche Zukunft gefährdet ist. Die Erklärung dafür schien schnell gefunden: Schuld seien vor allem die vielen fremdsprachigen Schüler und Migrantenfamilien, deren Anteil in Zürich fast doppelt so hoch ist wie in anderen Kantonen. «Schaut man nur die Schulleistungen der einheimischen deutschsprachigen Jugendlichen an, erzielt Zürich ähnliche Resultate wie die anderen Kantone», sagte die Bildungsdirektorin Regine Aeppli.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Zwar bewegen sich deren Ergebnisse tatsächlich im Durchschnitt, allerdings ist der Anteil der leistungsschwachen einheimischen, deutschsprachigen Schüler in Zürich so hoch, wie in keinem anderen Deutschschweizer Kanton. Hier sind sie Schlusslicht hinter Bern, St.Gallen und dem Aargau. Am besten schneidet Schaffhausen ab. Dort gibt es ebenfalls viele Schüler mit Migrationshintergrund, aber der Kanton ist in allen Kategorien top.

Die Gründe liegen folglich nicht nur bei den Ausländern, denn verglichen mit der Erhebung vor neun Jahren haben sich die Leistungen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund jenen der Einheimischen stark angeglichen. Der Zürcher Lehrerverband rügt deshalb den hohen Separationsdruck. Zürich hat in der Sekundarstufe schweizweit die meisten Stufen: Gymnasium, Sek A, B und C sowie Sonderklassen und Sonderschulen. «Am frühen Einteilungsdruck scheitern viele Schülerinnen und Schüler», schreibt der Verband. Das sei eine «bildungspolitische Katastrophe». Negativ auf die Resultate ausgewirkt hat sich auch, dass in Zürich viele Sonderschüler in Regelklassen integriert sind und somit an der Pisa-Studie teilnehmen.

Der vermutlich wichtigste Faktor ist der soziale Hintergrund. Dieser variiert in keinem anderen Deutschschweizer Kanton so stark wie in Zürich. Das macht es für die Lehrer schwieriger zu unterrichten, weil die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Schüler sehr unterschiedlich sind. Bedeutsam ist aber auch die Situation zu Hause, wie die Hilfe bei den Hausaufgaben oder ob sich Schüler aus armen Verhältnissen überhaupt in ein Zimmer zurückziehen können.

Wie wichtig ausserschulisches Interesse ist, zeigt sich deutlich in Schaffhausen. Zwar unterscheiden sich die Unterrichtsstunden pro Jahr in allen Kantonen und haben ebenfalls Einfluss – doch nicht ausschliesslich. In Schaffhauser Oberstufenschulen wird weniger Deutsch unterrichtet als in allen anderen Kantonen. Dennoch liest niemand besser als die Schaffhauser Schüler. Hauptgrund: Sie lesen gerne. Das geben 60 Prozent an. Im Schweizer Durchschnitt ist es nur jeder zweite Schüler. Auch die Nähe zu Deutschland sei für die Schaffhauser ein Vorteil, sagt Erziehungsdirektor Christian Amsler. So kämen die Schüler oft mit Schriftdeutsch in Kontakt.

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