Als das Internet populär wurde, tauchten schon bald zig Seiten auf, auf denen Singles mit anderen Singles flirten konnten. Das WWW wurde zum Platz des Turtelns und Balzens – und somit zum lukrativen Geschäft für Anbieter kostenpflichtiger Dating-Sites. Laut einer Auswertung von Singleboersen-Vergleich.ch generierte der Online-Dating-Markt in der Schweiz zuletzt rund 30 Millionen Franken Umsatz.

Mit dem Facebook-Boom hat sich der Markt jedoch verändert. «Online-Dating-Angebote werden durch Facebook zusehends bedrängt», sagt Olivier Rihs, CEO der Schweizer Onlinefirma Scout24, einer Tochter des Ringier-Verlagshauses. «Die Klickrate auf unserer Datingplattform Friendscout24 sowie ähnlichen Anbietern hat in den letzten vier, fünf Jahren stagniert.» Die Hemmschwelle, jemand Fremden auf Facebook anzuschreiben, sei bei vielen Leuten kleiner geworden. «Auf Facebook sieht man ebenfalls die Interessen und Fotos der Person. Man ist deshalb weniger bereit, für einen Datingservice zu bezahlen», sagt Rihs. In der Branche ist zudem bekannt, dass Swissfriends.ch, eine Tochter des Tamedia-Verlags, zu haben ist. Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer bestätigt, dass ein Verkauf geprüft werde, auch wenn das Portal zurzeit wirtschaftlich erfolgreich sei.

Nicht betroffen von der Facebook-Konkurrenz seien kostenpflichtige Partnervermittler wie Parship.ch und Elitepartner.ch, die ein anderes Kundensegment ansprechen, nämlich die seriöse Partnersuche ab 30 und nicht den schnellen Flirt, sagt Henning Wiechers von Singleboersen-Vergleich.ch. Auf Seiten wie Parship.ch werden den Mitgliedern auf Basis von wissenschaftlichen Persönlichkeitstests geeignete Partner vorgeschlagen.

Während der herkömmliche Flirt zunehmend in Mark Zuckerbergs sozialem Netzwerk stattfindet, wo man sich völlig unschuldig-elektronisch anstupsen kann, ohne gleich rot zu werden, sind in den letzten zwei Jahren vermehrt Anbieter für erotische Abenteuer aufgetaucht wie C-Date.ch und AshleyMadison.ch. Letztere propagiert sogar ganz offen den ehelichen Seitensprung.

Henning Wiechers schätzt, dass der Casual-Dating-Markt in der Schweiz im vergangenen Jahr rund 20 Prozent zulegte. Weil dort die Anonymität und Diskretion eine grössere Rolle spielt, ist man eher bereit, dafür zu bezahlen. Auch hier füllt man zuerst einen Fragebogen aus, um gleich gesinnte Partner zu finden. Werden bei den Datingwebsites Fragen nach den Hobbys, Reisezielen oder der Karriereplanung gestellt, stehen bei CDate.ch und Co. die sexuellen Vorlieben im Vordergrund: Fesselspiele? Flotter Dreier? Dessous? Latex/Leder?

Bei Ashley Madison spricht man eineinhalb Jahre nach Markteintritt bereits von über 150 000 Mitgliedern. «Alleine seit Januar hat die Mitgliederzahl um fast 30 Prozent zugelegt», sagt Sprecherin Tanja Bulatovic. C-Date zählt in der Schweiz gar 300 000 Mitglieder und weltweit über 10 Millionen. Einsteigerangebote gibt es ab rund 90 Franken pro Monat. Doch nur Männer müssen für die Chat- und Nachrichten-Services bezahlen, für Frauen ist die Mitgliedschaft bei beiden Anbietern gratis.

In Deutschland ist mittlerweile auch die deutsche Telekom auf den Erotik-Geschmack gekommen: Vor einem Jahr hat der Grosskonzern Secret.de lanciert und seither 150 000 Nutzer gewinnen können, die laut Homepage ein «diskretes, erotisches Abenteuer» suchen.

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