Einer der ersten und schärfsten Kritiker des Schweizer Finanzplatzes findet nach der Enthüllung globaler Steueroasen nun lobende Worte. «In der Schweiz hat sich offensichtlich vieles zum Besseren gewendet», sagt Hans Eichel, der als SPD-Finanzminister von 1999 bis 2005 den deutschen Kampf gegen das «helvetische Steuerschlupfloch» lostrat.

Im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» erklärt Eichel, unser Land stehe bezüglich Schwarzgeld und Geldwäscherei im internationalen Vergleich heute «wesentlich besser» da. Es entlastet die Schweiz offenbar, dass Medien weltweit Geheimdaten von 130 000 Personen aus 170 Ländern publiziert haben, die ihr Geld in Steueroasen verstecken – denn der Fokus richtet sich nun plötzlich auf andere, stärker betroffene Staaten.

Gemeint sind Singapur, die USA und insbesondere Grossbritannien, auf dessen Hoheitsgebiet sich 40 Prozent der Steueroasen befinden, etwa die Jungferninseln und die Kanalinseln. Eichel: «Wenn jetzt immer mehr Veröffentlichungen über Steuerhinterzieher im Hoheitsgebiet Grossbritanniens kommen, ist das am wirksamsten.» Englands Premierminister David Cameron steht innenpolitisch bereits unter Zugzwang.

Die Schweiz als Paradies für Steuerhinterzieher: «Diesen Ruf ist sie zunächst einmal los, denn in den Datenbanken geht es um andere Steueroasen, nicht um die Schweiz», sagt auch Julia Stein, Leiterin des Rechercheteams der ARD-Fernsehanstalt NDR. Allerdings könnten später weitere Datensätze auftauchen, relativiert sie. Stein ist eine von 86 Journalistinnen und Journalisten aus 46 Ländern, welche die Datensätze untersucht haben, darunter auch Redaktoren der «SonntagsZeitung» und des Westschweizer «Matin Dimanche».

SP-Präsident Christian Levrat fordert nun, die Schweiz müsse offensiv für international strengere Regeln gegen Steueroptimierung kämpfen. SVP-Banker Thomas Matter wiederum verlangt vom Bundesrat, die Schwächung des Finanzplatzes sofort zu stoppen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!