MARLÈNE VON ARX AUS LOS ANGELES

Frau Cruz, was ist Ihre Lieblingszahl?
Penelope Cruz: Acht. Ich habe sie sogar auf meinen Knöchel tätowiert. Also eigentlich ist es «883».

Und was bedeutet das?
Das sag ich nicht.

Jetzt könnten Sie ja noch eine «9» hinzufügen, denn für das Musical «Nine» wurden sie zum dritten Mal für einen Oscar nominiert . . .
. . . was eine grosse Überraschung und Freude ist!

Ihr Freund Javier Bardem gewann 2008 den ersten Oscar für Spanien, Sie letztes Jahr den zweiten für «Vicky Cristina Barcelona». Gabs zu Hause einen Helden-Empfang?
Und ob! Ich habe erstmals kapiert, wie sich Profi-Fussballer fühlen müssen: Die Leute feuern einen richtig an. Da gabs Partys, an denen die Leute Masken mit meinem Gesicht trugen. Ich schleppte den Oscar den ersten Monat überall mit hin – sogar an den Strand. Ich setzte ihn neben mich auf ein Badetuch. Die Leute dachten wohl, ich sei übergeschnappt!

Inzwischen spielten Sie die Geliebte Carla in «Nine». Wie schwierig war das Singen und Tanzen für Sie?
Sehr schwierig. Als ich am ersten Tag meine Choreografie sah, bin ich fast ohnmächtig geworden. Ich dachte, das schaffe ich nie! Wir haben monatelang unsere Nummern geprobt. Nebenbei paukte ich mit einem Dialekt-Coach, weil ich Englisch mit italienischem Akzent sprechen musste. Dem Regisseur Rob Marshall war es zudem wichtig, dass wir die ganze Nummer durchspielen können. Er wollte nicht Einzelteile zusammenschneiden. Darüber war ich eigentlich froh, denn wenn man eine ganze Nummer von A biz Z durchspielt, ist das wie Fliegen.

Es hiess, Sie hätten sich blutig getanzt?
Ja, ich hatte Seile in meiner Nummer. Sie scheuerten meine Hände blutig. Aber ich war ganz stolz auf meine blauen Flecken und aufgeplatzten Blasen. Ich war wie betrunken vom Schmerz und zeigte meine Wunden herum wie olympische Medaillen. Als alles vorbei war, hockte ich mich in eine Ecke und heulte zuerst mal eine Runde.

Wie lange dauerte das Ganze?
Gedreht haben wir meine Nummer zwei Tage. Aber geprobt hatte ich monatelang. Die Seile, die 40 Meter hohe Rutsche – das war alles sehr anspruchsvoll. Als ich die Nummer endlich im Griff hatte und es Zeit zum Drehen war, kam der nächste Schock: Es würde alles im Halbdunkeln gedreht werden. Ich hatte die ganzen zwei Tage Herzklopfen vor Angst. Aber es sind ja solche Herausforderungen, die meine Arbeit spannend machen.

«Nine» ist ein Musical über einen Regisseur und seine Musen. Erkennen Sie darin Ihre Beziehung zu Ihrem Lieblings-Regisseur Pedro Almodóvar wieder?
Ja, ich war ein sechzehnjähriges Kind, als ich ihn kennen lernte, aber wir verstanden uns sofort wie alte Freunde. Und jetzt, nach vier gemeinsamen Filmen, kann ich am Morgen gleich sagen, wie viele Stunden er geschlafen hat und wie seine Laune sein wird. Und ihm gehts mit mir genauso.

Sie sollen sich bei den Dreharbeiten insbesondere mit Sophia Loren befreundet haben. Was verbindet Sie mit der Ikone?
Wir hatten auf Anhieb einen guten Draht. Sie hat keine Angst zu sagen, was sie denkt, das ist sehr inspirierend. Ich habe sie mit Fragen über Vittorio De Sica, Marcello Mastroianni und Federico Fellini gelöchert. Sie hat ja tolle Geschichten zu erzählen. Sie machte sich auch immer Sorgen, ob ich denn auch genug esse. Sie ist halt eine richtige italienische Mamma. Ich hatte ihrer Meinung nach nie genug auf dem Teller. Dabei war ich konstant am Essen, weil ich für «Nine» etwas mehr Rundungen haben sollte und ich normalerweise wegen all des Stresses bei Dreharbeiten immer abnehme.

Was stresst Sie denn beim Drehen so?
Ach, da ist immer etwas. Ich denke zu viel und erschöpfe mich mit all den Sorgen, die ich mir mache. Deshalb schlafe ich auch so viel, nachdem ein Film abgedreht ist. Nur wenn ich schlafe, herrscht endlich mal Frieden in meinem Kopf.

Machte Sie es auch nervös, mit Nicole Kidman zu arbeiten? Schliesslich waren Sie mal mit ihrem Ex-Mann Tom Cruise liiert . . .
Nein, es war toll, mit ihr zusammenzuarbeiten – wie mit all den anderen Frauen auch. Nicole ist eine der besten Schauspielerinnen, die wir zurzeit haben.

Können Sie zum Schluss noch verraten, was es mit dem imposanten Ring auf sich hat? Sind Sie und Javier Bardem nun verlobt?
Es ist in der Tat ein schöner Ring – aber seine Geschichte behalte ich für mich.

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