Seit einigen Jahren stagniert die Mitgliederzahl des Touring Club Schweiz bei rund 1,6 Millionen. Zuweilen sank sie sogar um mehrere tausend, weil der TCS vermehrt die Konkurrenz durch die Versicherungsangebote von Autoversicherungen und -händlern zu spüren bekam.

Jetzt plant TCS-Chef Bruno Ehrler die Kehrtwende: «Wir halten es für realistisch, dass wir 2020 rund 2 Millionen Mitglieder zählen können.» Um zu wachsen, setzt Ehrler auf verschiedene neue Massnahmen.

Notfalltransporte: «Wir haben ein Team mit zwei Ärzten und vier Krankenschwestern aufgebaut, welche für den TCS alle Notfälle im In- und Ausland selber abklären», sagt Ehrler. Bisher spannte der TCS in diesem Bereich mit Dritten zusammen, wie zum Beispiel der Rega. «Wir arbeiten auch in Zukunft mit der Rega zusammen, wollen aber die Leistungen für unsere Mitglieder selber kontrollieren.» Der Pilot für dieses Angebot läuft seit rund einem Jahr und habe sich bewährt, so Ehrler. Der TCS organisiert heute 750 Rückführungen pro Jahr per Ambulanz, Flugzeug und Helikopter.

Zu diesem Zweck erkaufte sich der TCS dieses Jahr eine Minderheitsbeteiligung am Schweizer FlugambulanzUnternehmen Alpine Air Ambulance (AAA). Man habe auch schon mehrere Anfragen von Versicherungen und Krankenkassen erhalten für eine mögliche Kooperation. Insbesondere bei der Rückführung von Patienten in weit entfernten Destinationen könnten durch Kooperationen Kosten gespart werden. «So ein Flug mit einem Ambulanzjet, der eine fliegende Intensivstation ist, kann schnell über 100000 Franken kosten», sagt Ehrler. Es sei auch vorstellbar, dass man über die Alpine Air Ambulance eine eigene, gelbe Ambulanz- und Helikopterflotte anschaffen werde.

Kundensystem: Heute zählt der TCS eine Million Telefonate und eine halbe Million Briefe und E-Mails pro Jahr von seinen Mitgliedern. Um diese Menge an Anfragen effizienter zu bewältigen, lanciert er im Frühling ein neues Kundenservice-System. «Unsere Mitarbeiter sehen dann bei jedem Anruf sofort das ganze Dossier des Mitgliedes und können so besser darauf eingehen.» Das System werde auch mit Social-Media-Diensten wie Facebook und Twitter verknüpft, so Ehrler.

Mitgliederservice: In zwei Jahren lanciert der TCS eine neue Form der Mitgliedschaft mit zusätzlichen Leistungen. Bis dahin möchte Ehrler noch näher bei der Kundschaft sein. Heute zählt der TCS 18 technische Zentren zur Fahrzeugkontrolle und 30 Patrouillen-Stützpunkte. «Ich kann mir vorstellen, dass es in einigen Jahren insgesamt 70 Servicecenter sein werden.»

Um auf die vielen Änderungen aufmerksam zu machen, hat der TCS den Komiker Marco Rima für TV-Spots engagiert. Zudem liess Ehrler das Branding überarbeiten. Morgen lanciert der Traditionsklub seinen neuen Markenauftritt, der ganz in Gelb daherkommt. «Wir möchten vom guten Image unserer gelben Pannenfahrzeuge für das ganze Unternehmen profitieren», sagt Ehrler. Kein Wunder: Pro Jahr hilft der TCS bei rund 290000 Strassenpannen aus.

Die Expansionsgelüste Ehrlers sind nicht billig. Er gibt an, dafür einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr investieren zu wollen, über fünf Jahre hinweg. Das Geld hat der TCS durch die letzten Kostensenkungsmassnahmen generieren können. Und die waren happig – vor allem für das Personal.

2009 gab der TCS sein Reisegeschäft auf, schloss alle 34 Geschäftsstellen und strich 150 Vollzeitstellen. 250 Personen waren von dieser einschneidenden Massnahme betroffen. «Dieser Schritt war leider notwendig», sagt Bruno Ehrler. Das Reisegeschäft war für den TCS unrentabel. Heute zählt der TCS 1600 Mitarbeiter. 50 neue Stellen seien zurzeit ausgeschrieben. 2010 wurden 350 Millionen Franken umgesetzt.

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